Was sind denn eigentlich Vitamin B bzw. B-Vitamine genau?

Jeder kennt sie, doch kaum einer weiß was B-Vitamine genau sind und wofür sie gut sind. Vor allem ist es den meisten Menschen sicher nicht bewusst, wieviel Vitamin B der Körper täglich benötigt und in welchen Nahrungsmitteln sie versteckt sind. Gerade weil man sie nicht sieht und auch nicht schmeckt wird allzu oft die ausgewogene Versorgung mit Vitaminen vernachlässigt. Dabei sind sie absolut unerlässlich für unsere Gesundheit, da sie unser Immunsystem stärken, unseren Stoffwechsel regulieren und viele weitere wichtige Aufgaben im Körper übernehmen. Vitamine sind winzige Moleküle, die in kleinsten Konzentrationen (Milligramm und weniger) große Wirkung im Körper entfalten. Sie sorgen u.a. dafür, dass wir bzw. unser Körper Nährstoffe aufnehmen und verarbeiten können.

 

Bei Vitamin B handelt es sich gleich um eine ganze Gruppe von insgesamt acht Vitaminen. Jedes Einzelne davon ist eine Vorstufe eines Koenzyms. Pharmakologisch und auch chemisch sind dies völlig unterschiedliche Substanzen, es geht hier tatsächlich nicht um irgendeine einheitliche Klasse. Auch ihre Nummerierung ist nicht konsequent durchgehend. Das hat eine historische Bewandtnis, denn einige Substanzen, die zunächst zu den Vitaminen gezählt wurden, konnten später nicht als Vitamin B bestätigt werden.

Die B-Vitamine sind sehr verbreitet, sie kommen in Pflanzen und Tieren vor. Ganz typische Quellen sind Leber, Fisch, Milch, Grünkohl, Brokkoli oder Spinat. Etwas Besonderes hat es mit dem Vitamin B12 auf sich, denn in pflanzlichen Lebensmitteln ist es kaum enthalten. Aber ganz im Gegensatz zu den anderen Vitaminen, die übrigens leicht wasserlöslich sind, kann Vitamin B12 im Körper gespeichert werden.

Zur Entdeckungsgeschichte der B-Vitamine

Der Einfluss von Diäten auf die Entwicklung von Säugetieren, in diesem Fall vornehmlich auf Mäuse und Ratten, war am Anfang des 20. Jahrhunderts Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen. Gowland Hopkins entdeckte im Jahre 1912, dass ein Mangel bestimmter essenzieller Verbindungen zu erheblichen Störungen im Wachstum führt. Er bezeichnete diese Verbindungen zusammenfassend als „accessory food factors“. Er verstand damals bereits, dass bestimmte lebenswichtige komplexe Verbindungen nicht vom Körper selbst synthetisiert werden können und deshalb ständig über die Nahrung zugeführt werden müssen. Daher vermutete er auch schon einen direkten Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen und der Unterversorgung mit diesen Stoffen.

Auf Java und in Japan war zu jener Zeit eine unerklärliche Krankheit aufgetreten, die als Beriberi bezeichnet wurde. Diese Krankheit war aufgekommen, nachdem dort englische Reisschälmaschinen eingeführt worden waren. Bald vermutete man eine Mangelerkrankung. Daher beschäftigte sich der polnische Biochemiker Casimir Funk im gleichen Jahr 1912 mit der Isolierung des Wirkstoffes gegen diesen Vitaminmangel. Der japanische Arzt Takaki Kanehiro hatte nämlich einen sehr einfachen wie logischen Schritt gemacht. Er führte dem Reis Teile der zuvor entfernten Reiskleie wieder hinzu und konnte auf diese Weise die Krankheit heilen. In der Konsequenz isolierte Casimir Funk dann jenen Stoff aus der Reiskleie, der diese Mangelkrankheit offensichtlich heilte. Die chemische Analyse dieses Stoffes wies ein stickstoffhaltiges Amin nach. Das war die Geburtsstunde des Kunstwortes Vitamin, das sich aus Vita (Leben) und Amin zusammensetzt.

[Erläuterung: Amine sind organische Derivate des Ammoniaks (NH3). Dabei muss mindestens ein Wasserstoffatom durch eine Aryl- oder Alkylgruppe ersetzt sein.]

Die B-Vitamine im Einzelnen

  • Vitamin B1: ist chemisch Thiamin, seine aktive Form ist das Thiamindiphosphat bzw. Thiaminpyrophosphat (TPP). Vitamin-B1-Mangel war für Beriberi verantwortlich, was mit den Symptomen Herzinsuffizienz, neurologische Störungen oder Muskelatrophie verbunden sein kann. Auch das Korsakow-Syndrom kann durch diesen Vitaminmangel ausgelöst werden, es handelt sich dabei um eine vor allem bei Alkoholikern beobachtbare Form der Gedächtnisstörung (Amnesie).
  • Vitamin B2: Dabei handelt es sich chemisch um Riboflavin.
  • Vitamin B3: „Niacin“ ist Nikotinsäure. Sie wird bei der Umsetzung von Nährstoffen, bei der Verdauung, bei der Hormonbildung und für die Durchblutung benötigt. Ein Mangel an Niacin wird aber in Deutschland selten diagnostiziert.
  • Vitamin B4: „Cholin“ kann unser Körper selbst herstellen. Dieser Stoff ähnelt einem Vitamin, es ist aber in Wahrheit keines.
  • Vitamin B5: Hierbei handelt es sich um Pantothensäure.
  • Vitamin B6: Es sind gleich 3 Stoffe, die mit Vitamin B6 gleichgesetzt werden: Pyridoxal, Pyridoxin und Pyridoxamin. Pyridoxalphosphat ist als aktive Ausprägung dieser Verbindungen zugleich das wichtigste Koenzym beim Aminosäure-Stoffwechsel, denn es wird so ziemlich für alle chemischen Reaktionen mit Aminosäuren benötigen. Dennoch kommt ein B6-Mangel nur selten vor.
  • Vitamin B7: Biotin wird häufig auch als Vitamin H bezeichnet.
  • Vitamin B8: gibt es nicht.
  • Vitamin B9: Die Folsäure, auch Folat genannt, wird auch als Vitamin M oder Vitamin B11 bezeichnet. Folate spielen besonders bei der Zellteilung und bei Wachstumsprozessen eine Rolle. Der empfohlene tägliche Bedarf liegt bei nur 0,3 Milligramm. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland erreicht dieses Quantum aber nicht.
  • Vitamin-B12: Cobalamin ist ein sehr komplexer niedermolekularer Naturstoff. Im Zentrum befindet sich ein Kobalt-Ion. Dieses Vitamin kann nur durch Mikroorganismen synthetisiert werden. Man findet es daher in Algen, Eiern, Leber, Fleisch und Milch. Zwar kann das Vitamin B12 im menschlichen Dickdarm synthetisiert werden, aber an dieser (späten) Position wird es vom Körper nicht mehr aufgenommen. Daher sollten Veganer dieses Vitamin in künstlicher Form zu sich nehmen. Unsere Leber kann übrigens größere Mengen Vitamin B12 speichern, so viel immerhin, dass wir bis zu 5 Jahre ohne Neuzufuhr auskommen können. Daher sind Vitamin-B12-Präparate für gesunde Menschen ziemlich sinnlos. Ein Vitamin-B12-Mangel ist meistens die Folge des Fehlens des sogenannten intrinsischen Faktors, was mit einer gestörten Blutbildung einhergehen kann (perniziöse Anämie).
  • Vitamin-B15 wurde ebenfalls früher irrtümlicherweise zu den Vitaminen gerechnet, dabei handelt es sich hierbei um das Natriumsalz der Pangamsäure. Unser Organismus kann dieses Vitamin-B15 in ausreichenden Mengen selbst herstellen. Wofür es physiologisch wirklich gebraucht wird, ist heute noch nicht geklärt.
  • Vitamin-B17 Amygdalin ist ein Glykosid, das Blausäure abspaltet, und Vitamin B17 ist nur eine fantasievolle und ambitionierte Bezeichnung dafür.


Darum sind B-Vitamine für uns so wichtig!

Dass es Vitamine gibt und sie für uns lebenswichtig sind, steht noch gar nicht allzu lange fest. Das wohl bekannteste aller Vitamine, das Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Daraufhin und auch Dank immer besserer Mess- und Analysemethoden wurde immer mehr Vitaminarten gefunden und erforscht. Heutzutage sind uns 13 Vitaminarten bekannt, die für den Menschen von Bedeutung sind und die man in fettlösliche und wasserlösliche Vitamine unterteilt. Dazu zählen die Vitamine A, D, E und K, die mit fetthaltiger Nahrung aufgenommen werden und in den Fettdepots des Körpers einige Zeit gespeichert werden können und deshalb nicht täglich zugeführt werden müssen. Im Gegensatz zu diesen fettlöslichen Vitaminen müssen die wasserlöslichen Vitamine, die 8 B-Vitamine und das bekannte Vitamin C, dem Körper täglich aufs Neue zugeführt werden, da diese nicht gespeichert werden können. Das einzige Vitamin, das der menschliche Körper selbst herstellen kann, ist das Vitamin D. Es wird bei ausrechender Sonneneinstrahlung vom Körper wie durch eine Art Photosynthese selbst produziert, sozusagen das Vitamin aus der Sonne. Gerade im Winter in der „dunklen“ Jahreszeit ist es für uns schwierig genügen Sonneneinstrahlung zu bekommen, weswegen unser Körper in dieser Zeit auf die Vitamin-D Reserven aus dem Sommer zurückgreift.

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Die wohl wichtigste Vitamingruppe sind die B-Vitamine, von denen es insgesamt 9 gibt. Dementsprechend gibt es das Vitamin B so an sich nicht, stattdessen erfüllt jedes der B-Vitamine essentielle Aufgaben.


Vitamin B1

Das Vitamin B1 (auch Thiamin) trägt dazu bei, dass die Verwertung der Kohlenhydrate stattfindet, da bei einem Mangel an diesem Vitamin unser Körper die Kohlenhydrate nicht mehr zu Glukose (Traubenzucker) umwandeln kann, unser Gehirn jedoch auf Glukose angewiesen ist, um die Gehirnfunktion aufrecht erhalten zu können. Außerdem kommt dem Vitamin B eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Signalen in den Nerven zu. Thiamin findet man genau wie die meisten anderen B-Vitamine in Getreidearten und auch Nüssen vor. Weitere Lieferanten von Vitamin B1 sind Fleischprodukte, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte.


Vitamin B2

Vitamin B2 (auch Riboflavin) hat eine wesentliche Funktion im Stoffwechselprozess und in der Atmungsfunktion, wo es für den Sauerstofftransport ins Blut verantwortlich ist. Das Vitamin B2 kann man am besten mit Milch und Milcherzeugnissen, Fleisch, Gemüse sowie Kartoffeln zu sich nehmen.


Vitamin B3

Vitamin B3 (auch Niacin) ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt, mit denen der Körper den Energiehaushalt der Zellen reguliert. Im Allgemeinen ist jedoch die Regeneration des Nervensystems, der Muskeln und der Haut die bedeutendste Aufgabe des Vitamins. Eine Besonderheit von Niacin ist, dass der menschliche Körper bei genügend Eiweiß das Vitamin auch selber herstellen kann. Auch trägt das Vitamin B3 dazu bei, einen zu hohen Cholesterinwert zu senken. Bei einer dauerhaften Unterversorgung mit Vitamin B3 kann es oft jedoch zu unangenehmen und unschönen Begleiterscheinungen wie Hautveränderungen oder Störungen des Nervensystems kommen.


Vitamin B5

Vitamin B in NüssenVitamin B5 (auch Pantothensäure) wird oft auch als „Allrounder“ bzw. Alleskönner bezeichnet, da es an fast allen grundlegenden Stoffwechselprozessen wie Bildung von Hormonen involviert ist und eigentlich überall im Körper benötigt wird. Deshalb leitet sich der Name auch vom griechischen Wort „pantothen“ ab, was so viel wie „überall“ bedeutet. Pantothensäure ist in grundsätzlich in allen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, was die Aufnahme sehr erleichtert. Besonders gute Vitamin-B5 Träger sind z.B. Avocados, Eier, Nüsse und bestimmte Fischarten wie Heringe. Zu beachten ist jedoch, dass es ein sehr hitzeempfindliches Vitamin ist und z.B. beim Kochen von Lebensmitteln sehr leicht verloren geht. Interessant und durch zahlreiche Studien belegt ist, dass das Vitamin B5 sehr effektiv bei Wundheilungen wirkt, da es die Zellvermehrung aktiv fördert und so zur Neubildung von Hautschichten beiträgt.


Vitamin B6

Das Vitamin B6 (auch Pyridoxin) ist vielleicht das bekannteste unter dem B-Vitaminen, und das durchaus zurecht, denn es besitzt sehr vielseitige Eigenschaften und ist an vielen einzelnen Prozessen im Körper mit beteiligt. So steuert es u.a. den Eiweißstoffwechsel und ist für die Herstellung von neuen organischen Nervenverbindungen wichtig, wodurch es auch als „Nervenvitamin“ bekannt ist. Genau wie das Vitamin B5 ist es äußerst hitzeempfindlich und kann beim Kochen zerstört werden.


Vitamin B7

Vitamin B7 (Biotin) wurde bis vor kurzem noch als Vitamin H bezeichnet, gehört jedoch mittlerweile genau wie Folsäure zur Familie der B-Vitamine. Bedeutsam ist Biotin vorwiegend im Bereich des Fettstoffwechsels, beim Umwandeln von Kohlenhydraten und Eiweißen sowie zur Regulierung und Steuerung des Blutzuckerspiegels. In den letzten Jahren wurde Biotin immer beliebter bei sogenannten „Haut-Haare-Nägel“-Problemen, da sich Biotin sehr förderlich für den Erhalt von gesunden Haaren und Nägeln erwiesen hat und auch gegen entzündliche Hautreaktionen wirken soll. Deshalb setzen immer mehr Leute, vor allem Frauen, auf Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin. Die Aufnahme von Biotin über Nahrungsmittel fällt relativ leicht, da es über viele Lebensmittel ausreichend aufgenommen werden kann. Dazu zählen z.B. Fisch, Spinat, Reis, Bananen, Tomaten, Champignons und auch Eigelb. Sehr empfehlenswert sind auch Kombi-Produkte mit Zink, da Zink ebenfalls an den gleichen Prozessen wie Biotin beteiligt ist.

Vitamin B12

Vitamin B in leckerem Salat mit FleischDem Vitamin B12 (Cobalamin) kommt bei der Bildung der roten Blutkörperchen eine entscheidende Rolle zu. Ohne das Vitamin B12 würde es folglich im Körper zu einer Blutarmut kommen, was fatale Folgen hätte. Zudem hat das Vitamin B12 eine wichtige Aufgabe für die normale Funktion des Nervensystems, schützt des Weiteren das Herz-Kreislaufsystem und besitzt eine positive Wirkung auf die Zellteilung und das Zellwachstum. Der notwendige Bedarf kann gut vor allem durch Fleischprodukte speziell durch Innereine abgedeckt werden. Für Vegetarier ist es ratsam vermehrt auf Milchprodukte und Eier zu setzen, um seinen Bedarf zu decken.

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Folsäure

Folsäure (Vitamin B9 & Vitamin B11) ist einer der bekannteren Vertreter, jedoch vielen nicht als Teil des Vitamin-B-Komplexes bekannt. Gerade schwangeren Frauen dürfte bzw. sollte Folsäure ein Begriff sein, da speziell während der Schwangerschaft ein erhöhter Bedarf an Folsäure besteht. Denn Folsäure ist bedeutend wichtig für die Bildung, Entwicklung und Vermehrung der Zellen und so natürlich für die normale geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. Nicht weniger bedeutend ist Folsäure bei der Bildung von Leukozyten- und Erythrozytenbildung (weiße und rote Blutkörperchen), wofür der Körper Folsäure dringend benötigt. Dadurch dass Folsäure sehr anfällig für Hitze und Licht ist, ist es durch aus ratsam und angebracht auf eine zusätzliche Aufnahme von Folsäure z.B. in Form von Nahrungsergänzungsmittel zu achten. Grundsätzlich ist Folsäure in Nahrungsmitteln wie Spinat, Nüssen, oder auch Feldsalat oder Leber vorhanden, kann jedoch kaum mit einer normalen Ernährung in ausreichenden Mengen aufgenommen werden.

 

Vitamin B17

Das Vitamin B17 ist wohl das unbekannteste der Vitamin-B-Gruppe. Es handelt sich dabei um die Substanz Amygdalin und ist für den menschlichen Stoffwechsel nicht essentiell wichtig, wodurch die Bezeichnung als Vitamin doch eher ungewöhnlich und auch irreführend sein kann. Häufig wird es speziell bei der Behandlung von Krebserkrankungen oder auch Tumoren eingesetzt. Grund hierfür ist, dass die Substanz Blausäure bildet und dadurch kranke Zellen absterben sollen.

Vitamin B ist also nicht nur im Berufsleben von Vorteil, sondern sollte auch in der täglichen Ernährung mehr Beachtung finden.