Ursachen und Folgen von Testosteronmangel

Müdigkeit, schlaffe Haut und Erektionsstörungen können auf einen Testosteronmangel hindeuten. Welche Ursachen der Hypogonadismus hat und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Ursachen eines Testosteronmangels

Ein Hypogonadimus kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Er entsteht, wenn Hypothalamus und Hypophyse nicht mehr ausreichend Testosteron freigeben. Dann kommt es zu einer Unterfunktion des Hodens und in der Folge zu den typischen Beschwerden.

Die häufigste Form des Hypogonadimus ist der sogenannte Late-Onset Hypogonadimus. Er betrifft bis zu 30 Prozent aller Männer über 40 Jahre. Junge Männer leiden oftmals in Folge eines angeborenen Hodenhochstands, einer Verletzung oder eines Tumors an einem Hypogonadismus.

Arten des Hypogonadimus:

  • altersbedingter Hypogonadimus
  • gestörtes Regelsystem von Hoden und Hypothalamus
  • genetische Defekte oder Entwicklungsstörungen (z. B. das Klinefelter-Syndrom)

Testosteronmangel aus Altersgründen

Der altersbedingte Testosteronmangel ist in erster Linie auf eine gestörte Kommunikation zwischen Gehirn und Hoden zurückzuführen. Mitunter kann eine gestörte Funktion der verantwortlichen, Testosteron-bildenden Zellen ursächlich sein. Wenn die notwendigen Gehirnbereiche nicht mehr wie gewünscht arbeiten, wird in den Hoden nicht mehr ausreichend Testosteron produziert und die Produktion des Hormons kann dauerhaft eingeschränkt sein. Ursächlich können Entzündungsprozesse im Körper oder eine Insulinresistenz sein. Auch ein hoher Körperfettanteil oder Verletzungen im Gehirn sowie Tumoren sind mögliche Auslöser.

Ein Testosteronmangel aus Altersgründen kann bereits ab dem 30. Lebensjahr auftreten. Wie Studien zeigen, nimmt die Androgenfreisetzung ab dem 30. Lebensjahr jährlich um ein bis zwei Prozent ab. Begleitend dazu nimmt der Anteil an Testosteron im Blut ab.

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Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V. hat ergeben, dass bei jedem dritten Mann ein erniedrigter Testosteronspiegel vorliegt. Bei ebenso vielen Männer äußert sich der Hypogonadimus durch die typischen Symptome.

Liegt ein altersbedingter Testosteronmangel vor, ist meist auch die eigentliche Testosteronbildung in den Hoden gestört, wodurch nicht mehr ausreichend männliche Sexualhormone gebildet werden. Ursächlich können Verletzungen im Bereich der Hoden, Erkrankungen oder eine Chemo- oder Strahlentherapie sein. In einigen Fällen kann der Auslöser behoben werden, in anderen sind die Beschwerden dauerhaft.

Testosteron bewirkt in erster Linie die Ausprägung des männlichen Phänotyps, also der männlichen Geschlechtsorgane. Es fördert den Aufbau von Muskelmasse und Fettspeicher, ist essenziell für das Wachstum und begünstigt die Spermienproduktion. Dies gelingt, indem das Hormon über das Transportprotein Globulin (SHBG) dorthin transportiert wird, wo es benötigt wird.

Ein erhöhter SHBG-Anteil im Blut kann die Testosteronproduktion beeinträchtigen. Sind die wichtigen Eiweiße in zu großer Zahl vorhanden, kann das freie Testosteron, welches sich außerhalb der Blutbahnen befindet, abnehmen. Dann treten die typischen Symptome eines Testosteronmangels auf.

Gestörtes Regelsystem von Hoden und Hypothalamus

Auch ein gestörtes Regelsystem von Hoden und Hypothalamus kann zu einem Mangel führen. Ursächlich hierfür ist in erster Linie eine ungesunde Lebensweise. Wer sich einseitig ernährt, sich zu wenig bewegt oder Übergewicht hat, riskiert eine Störung des Systems und dadurch einen Mangel. Auch übertriebene Diäten, ein Vitamin- und Mineralstoffmangel sowie Stress sind mögliche Auslöser. Wenn begleitend Allgemein-Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsen-Erkrankung vorliegen, besteht ein hohes Risiko für die Entstehung eines Hypogonadismus.

Weiterhin können Medikamente, insbesondere Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Präparate zur Krebsbehandlung, eine Störung des Regelsystems von Hoden und Hypothalamus verursachen. Ebenso eine Strahlenbelastung und Umweltgifte, etwa durch Schwermetalle oder Pestizide.

Genetische Defekte oder Entwicklungsstörungen als Ursache

Eine mögliche Ursache des Hypogonadimus sind genetische Defekte oder Entwicklungsstörungen. Bei entsprechenden Leiden ist der Mangel angeboren oder tritt infolge einer schweren Erkrankung oder Störung in den ersten Lebensjahren auf. Die betroffenen Personen durchlaufen die Pubertät zumeist verspätet oder überhaupt nicht. Eine umfassende Medikation kann den Mangel ausgleichen und eine relativ normale Entwicklung ermöglichen. Der Mangel kann etwa im Zusammenhang mit dem Klinefelter-Syndrom auftreten und wird mittels Hormonpräparaten behandelt.

Die Substitution von Testosteron wird üblicherweise eingeleitet, sobald der Testosterongehalt im Blut einen Wert von 12 nmol/L unterschreitet. Die Fruchtbarkeit kann dadurch nicht verbessert werden, weshalb meist eine begleitende Spermien-Extraktion aus einzelnen Hodentubuli stattfindet. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen wird jedoch meist eine Kompromiss-Lösung zwischen Ergänzungsmitteln und einer natürlichen Testosteron-Förderung gewählt.

Symptome eines Testosteronmangels

Ein Mangel an Testosteron kann sich durch eine Reihe von Beschwerden äußern. Typischerweise komm es zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Die Betroffenen verspüren eine Antriebsarmut und leiden oftmals auch an Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen. Manchmal kommen Konzentrations- und Gedächtnisprobleme hinzu.

Typische körperliche Symptome sind eine Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft und damit verbundene eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit. Begleitend dazu kann es zu einer Gewichtszunahme kommen. Vor allem am Bauch äußert sich ein Hypogonadismus schnell durch zusätzliches Körperfett. Weiterhin kann die Knochendichte abnehmen, wodurch es zu Osteoporose kommen kann. Die Folge sind Frakturen und ein gesteigertes Schmerzempfinden.

Eine typische Folge eines Testosteronmangels beim Mann ist Diabetes Typ 2. Wie Stichprobentests zeigen, leidet etwa die Hälfte aller Männer, die einen Mangel an dem männlichen Sexualhormon aufweisen, auch an Diabetes mellitus. Behandelt wird ein Testosteronmangel unter anderem durch die Gabe von Testosteronpräparaten. Je nach Ausprägung des Mangels können Tabletten, Spritzen oder Pflaster verordnet werden, welche die Hormonproduktion regulieren.

Langfristige Folgen eines Hypogonadimus

Beschwerden in Folge eines Testosteronmangels treten bei etwa zwölf Prozent aller Männer zwischen 40 und 70 auf. In Einzelfällen sind auch Frauen betroffen. Weil Frauen generell einen niedrigeren Testosteronspiegel haben als Männer, machen sich die Symptome weniger deutlich bemerkbar. Bei Frauen tritt dementsprechend vermehrt ein Östrogenmangel auf, der ebenfalls mit Beschwerden verbunden ist, sich durch die Gabe von Hormonen jedoch deutlich effektiver behandeln lässt. Auch bei einem Östrogenmangel bieten sich natürliche Maßnahmen wie Sport und eine gesunde Ernährung an, um einem schwankenden Hormonspiegel entgegenzuwirken.

Eine weitere Folgeerkrankung ist das metabolische Syndrom. Das Leiden geht mit einem erhöhten Blutdruck und Cholesterinspiegel sowie einem hohen Blutzuckerspiegel und oftmals auch Fettleibigkeit einher. Durch das Leiden besteht ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Komplikationen.

Ein Hypogonadismus kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, wenn er nicht behoben wird. Betroffene Männer haben ein mehr als doppelt so großes Mortalitätsrisiko wie Männer ohne Mangelerscheinungen.

In der Folge dieser Beschwerden kann es bei den Betroffenen außerdem zu seelischen Problemen kommen. Eine Erektionsstörung kann zu Verstimmungen führen und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Antriebsarmut und Müdigkeit tragen zu diesen psychischen Folgeerscheinungen bei. Bei Patienten, die bereits eine seelische Erkrankung haben, besteht die Gefahr, dass diese infolge des Hypogonadimus zunimmt.

Risikofaktoren

Für einen Hypogonadismus gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Einige Risikofaktoren begünstigen einen Mangel. Dazu zählen neben Übergewicht und hormonellen Erkrankungen auch Störungen des metabolischen Syndroms sowie Diabetes mellitus.

Im Fall von Übergewicht ist eine Überproduktion von Östrogen im Fettgewebe verantwortlich für den Hypogonadismus . Der Hormonhaushalt gerät bereits ab einem Bauchumfang von 94 Zentimetern aus dem Gleichgewicht.

Nicht immer ruft ein Hypogonadismus Beschwerden hervor. Abhängig vom ursprünglichen Wert kann eine leichte Abnahme des männlichen Sexualhormons sogar positive Effekte mit sich bringen. Männer, die Symptome eines Testosteronmangels feststellen, sollten den Hausarzt konsultieren. Der Mediziner kann einen Mangel anhand der Blutwerte feststellen und geeignete Gegenmaßnahmen vorschlagen. Der Arzt ermittelt außerdem die Konzentration verschiedener anderer Stoffe. Dadurch können mögliche Ursachen des Mangels ermittelt werden.

Testosteronspiegel natürlich erhöhen

Vor allem ältere Menschen greifen zunehmend zu künstlichem Testosteron. Das Hormonpräparat soll die Vitalität steigern und die sexuelle Aktivität verbessern. Der vermehrte Einsatz von Hormonpräparaten zeigt sich insbesondere in den USA, wo sich im letzten Jahrzehnt die Zahl der Verschreibungen um den Faktor 5 erhöht haben. Nicht berücksichtigt werden dabei oft die Nebenwirkungen, die künstliche Präparate mit sich bringen können.

Falls eine Substitution mit Tribulus Terretstris und L-Arginin infrage kommt, muss diese über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten stattfinden. Die Besserung der Symptome tritt deutlich zeitverzögert auf. Die Aufgabe des Arztes ist es, den Patienten über die Dauer der Behandlung zu informieren, damit diese keine unrealistische Erwartungshaltung entwickelt – vor allem, wenn das Ziel der Therapie eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit oder der Fruchtbarkeit ist.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den Testosteronspiegel auf natürliche Weise zu erhöhen. Bewährt haben sich Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung, Sport und Stressreduktion.

Wirksam sind Lebensmittel, die viel Zink, Magnesium, Vitamin D und B-Vitamine enthalten. Lebensmittel mit diesen Stoffen helfen dem Testosteronspiegel indirekt und anderen Begleiterscheinungen wie Erektionsbeschwerden oder einer verminderten Spermienqualität direkt.

Aus der Ernährungspyramide bieten sich beispielsweise Sellerie oder Mais an. Auch Grünkohl empfiehlt sich, denn das Kohlgewächs enthält viele Stoffe, welche die Umwandlung von Testosteron zu Östrogen hemmen. Außerdem sind Mineralien wie Kalzium und Eisen enthalten, die den typischen Nebenwirkungen eines Testosteronmangels entgegenwirken.

Testosteronersatztherapie

Eine Testosteronersatztherapie dient dazu, einen Mangel an dem männlichen Sexualhormon auszugleichen. Vor allem Männer ab 50 greifen auf entsprechende Präparate zurück, um den Testosteronspiegel zu steigern und negative Folgen zu vermeiden. Die tägliche Einnahme von Testosteron-Gel oder vergleichen Produkten soll unter anderem mehr Vitalität und Muskelmasse bringen, die Gedächtnisleistung verbessern und die Lust am Sex erhöhen.

Können bei einer Hormonersatzbehandlung Nebenwirkungen auftreten?

Ob bei einer künstlichen Zuführung des Hormons Nebenwirkungen auftreten, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Das Alter des Patienten, die Art der Aufnahme und etwaige Vorerkrankungen beeinflussen die Risiken. Ältere Männer haben ein deutlich höheres Risiko für Nebenwirkungen. Männer, die ihre Testosteronspiegel künstlich ausgleichen möchten, sollten mit dem Hausarzt über die Risiken sprechen und die Therapie engmaschig überwachen lassen. Die Behandlung birgt zwar Gefahren, in den meisten Fällen verläuft sie jedoch unproblematisch. Dennoch sollten begleitend dazu immer auch natürliche Maßnahmen ergriffen werden, um den Testosteronspiegel zu erhöhen.

Ab wann spricht man von einem Testosteronmangel?

Ein Testosteronmangel liegt vor, wenn die Blutanalyse einen Testosteronwert von unter 12 nmol/L (Nanomol pro Liter Blut) ergibt. Bei erwachsenen Frauen vor den Wechseljahren gilt ein Wert von unter 0,24 nmol/L als bedenklich. Der Wert gibt Aufschluss über den Gehalt an Testosteron im Blut. Für eine abschließende Diagnose müssen jedoch auch die freien Testosterone gemessen werden, die im gesamten Körper auftreten. Hierfür sind weitere Messungen vonnöten.

Ein Hypogonadismus kann eindeutig diagnostiziert werden, wenn die Werte bei zwei unabhängigen Untersuchungen unter der Normgrenze liegen und begleitend die typischen Beschwerden eines Hypogonadimus auftreten. Betroffene Personen können dann verschiedene Maßnahmen ergreifen, um den Mangel zu beheben. Der Arzt wird eine Behandlung bei Werten zwischen 8 und 12 nmol/L in Betracht ziehen. Wenn keine Beschwerden vorliegen, ist in der Regel auch keine Behandlung vonnöten.