Schwangerschaftsvitamine

Du bist schwanger und erwartest in einigen Monaten dein Baby. Herzlichen Glückwunsch! Dass du ab jetzt für zwei Personen essen musst, stimmt nach aktuellen Kenntnissen nicht mehr. Allerdings gibt es sogenannte Schwangerschaftsvitamine, von denen du jetzt tatsächlich mehr brauchst als bisher – teilweise sogar erheblich mehr. Je nach Phase der Schwangerschaft und Ernährung kann es daher sinnvoll sein, diesen Mehrbedarf durch Nahrungsergänzung zu decken. Das gilt besonders dann, wenn es sich um Mikronährstoffe handelt, die über die Nahrung nur schwer zu bekommen sind. Nach Rücksprache mit deinem Gynäkologen kannst du gezielt beginnen, deine Ernährung an die Bedürfnisse deines eigenen Körpers und an die deines ungeborenen Kindes anzupassen. Doch welche Schwangerschaftsvitamine brauchst du jetzt wirklich und wann macht es Sinn, den Bedarf durch Nahrungsergänzung zu decken?

Warum steigt der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft?

Früher wurde schwangeren Frauen gesagt, sie müssten für zwei Leute essen. Das stimmt nicht, denn dein Baby braucht weder ein zweites Stück Pizza noch einen zweiten Apfel. Vielmehr braucht es die Nährstoffe, die darin stecken. Es wird sogar noch komplizierter, denn je nachdem, in welcher Phase seiner Entwicklung dein Baby sich befindet, braucht es ganz unterschiedliche Nährstoffe. Ein Baby braucht beispielsweise in den ersten drei Lebensmonaten besonders viel Folsäure, da sich gerade jetzt die Nervenbahnen entwickeln und Folsäure daran maßgeblich beteiligt ist. Auch danach ist der Bedarf erhöht, aber nicht so sehr wie in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Es kann außerdem jederzeit passieren, dass du einen Eisenmangel entwickelst. Das liegt daran, dass dein Blutvolumen sich erhöht, du also mehr Blut produzieren musst und dafür mehr Eisen brauchst. Nach der Geburt normalisiert sich das alles wieder – aber bis dahin musst du je nachdem, wie lange du bereits schwanger bist, durch Schwangerschaftsvitamine vorsorgen vorsorgen.

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Folsäure: Schwangerschaftsvitamin Nummer 1

Jede Schwangere weiß, dass sie Folsäure braucht, und das ist auch gut so. Denn wenn dieser Bedarf gedeckt ist, verhinderst du bereits viele der schlimmsten möglichen angeborenen Defekte beim Neugeborenen. Folsäure wird deswegen gebraucht, da sich ab der ersten Zellteilung das Nervensystem deines Kindes entwickelt. Hierfür wird sie als Baustein dringend gebraucht. Wenn nicht genug Folsäure im Körper vorhanden ist, dann kann sich das Neuralrohr nicht um die 12. Woche der Schwangerschaft herum schließen und dein Baby kommt mit einem Neuralrohrdefekt zur Welt. Das kann schwere Behinderungen nach sich ziehen. Wenn du geplant schwanger werden möchtest und im Moment noch „übst“, ist es sogar sinnvoll, schon jetzt Folsäure in hoher Dosierung einzunehmen. Dann ist dein Folsäurehaushalt ausreichend hoch, wenn es zur Befruchtung kommt. Bist du bereits schwanger, solltest du schnellstmöglich mit der Einnahme beginnen. Das solltest du zwar mit deinem Gynäkologen absprechen, machst aber nichts verkehrt, wenn du bereits vor dem nächsten Termin mit der Einnahme von Folsäure beginnst.

Vitamin B12 – der beste Freund der Folsäure

Damit reine Folsäure richtig vom Körper aufgenommen werden kann, braucht sie Vitamin B12. In vielen Kombi-Präparaten ist es deswegen enthalten. Vitamin B12 kommt hauptsächlich in tierischen Produkten vor, hauptsächlich Fleisch. Wenn du also Vegetarierin oder Veganerin bist, dann kennst du diese Thematik bereits. Übrigens tut dir Vitamin B12 auch dann gut, wenn du unter Morgenübelkeit leidest – ein weiterer Grund, weshalb du es schon sehr früh in der Schwangerschaft einnehmen solltest. Gemeinsam mit Vitamin B6 kann es die Übelkeit lindern und dir das erste Trimester damit erträglicher machen. Damit du nicht nur noch Tabletten schlucken musst, ist ein gutes Kombi-Präparat mit Folsäure und weiteren Schwangerschaftsvitaminen eine gute Empfehlung für dich.

Vitamin B6 – gut gegen Hormon-Chaos

Dein Partner und du freut euch darauf, bald euer süßes Baby im Arm zu halten. Doch wirklich gut geht es dir körperlich trotz aller Freude im ersten Trimester nicht? Keine Sorge, das sind die Hormone und sie werden sich nach der 12. Woche schnell wieder beruhigen. Bis dahin kann dir Vitamin B6 allerdings helfen. Es unterstützt den Körper sanft dabei, den Hormonhaushalt wieder in geregelte Bahnen zu lenken, sodass es dir auch körperlich bald wieder besser gehen wird. Außerdem tut es deinem Immunsystem gut, fördert die Bildung neuer Blutkörperchen und kann helfen, Müdigkeit zu verringern. Gerade, wenn du vorher die Anti-Baby-Pille genommen hast, kann es gut sein, dass du unter einem Vitamin B6-Mangel leidest und durch Nahrungsergänzung nachhelfen solltest. Das kannst du bei deinem Gynäkologen jederzeit durch eine Blutuntersuchung herausfinden lassen.

Vitamin D3 – das Sonnenvitamin

Der Körper ist deswegen so sehr auf Vitamine aus der Nahrung angewiesen, da er sie nicht selbst herstellen kann. Eine Ausnahme davon gibt es, die die Regel bestätigt: Vitamin D3. Einen Großteil des Bedarfs kann dein Körper selbst durch Eigenherstellung decken. Doch ganz ohne den nötigen „Treibstoff“ geht auch das nicht. Im Fall von Vitamin D3 ist das die Sonneneinstrahlung. So wichtig der Schutz vor gefährlicher UV-Strahlung ist, so wichtig ist es, sich dennoch ab und zu ins Sonnenlicht zu begeben. Viele Menschen halten sich im Alltag jedoch sehr lang in Innenräumen auf, beispielsweise im Büro, wodurch sie an einem Vitamin D-Mangel leiden könnten. Besonders jetzt in der Schwangerschaft ist das Sonnenvitamin aber wichtig. Es ist am Zellwachstum, dem Knochen- und Muskelaufbau und dem Aufbau und der gesunden Entwicklung des Immunsystems deines Babys beteiligt. Zudem sorgt ein ausgeglichener Vitamin D3-Haushalt dafür, dass auch deine Stimmung im Verlauf der Schwangerschaft positiv bleibt.

Jod – der Mangel-Mikronährstoff

Das Thema Jodmangel ist dir bestimmt bereits gut bekannt. Denn in unseren Breiten ist er ein häufiges Problem. Das mag anders aussehen in Bevölkerungen, in denen traditionell viel Fisch gegessen wird. Doch wenn du nicht gerade am Meer lebst und regelmäßig frischen Fisch auf den Teller bekommst, kannst du beinahe davon ausgehen, dass du Gefahr läufst, einen Jodmangel zu entwickeln. Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Jodbedarf. Deswegen wird empfohlen, während der Schwangerschaft und auch darüber hinaus bis zum Abstillen zusätzliches Jod einzunehmen. Doch Vorsicht: Jod solltest du immer mit deinem Gynäkologen besprechen. Er wird dein Blut auf den aktuellen Jodspiegel hin untersuchen und wird dir außerdem sagen können, ob die Einnahme für dich überhaupt in Frage kommst. Wenn du nämlich an bestimmten Schilddrüsenproblemen leidest, kann es sein, dass du gar kein zusätzliches Jod einnehmen solltest – trotz der Schwangerschaft. Eine Fehldosierung kann jetzt unangenehme Folgen haben.

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Mono- oder Kombi-Präparat?

Schwangerschaftsvitamine sind wichtig für die gesunde Entwicklung deines Babys und auch für dein eigenes Wohl während der Schwangerschaft. Dein Körper erbringt gerade Höchstleistungen, und auch bei deinem Baby passiert jede Woche ein neuer wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. Da du gleich so viele Schwangerschaftsvitamine auf einmal brauchst, macht es wenig Sinn, sie alle einzeln einzunehmen. Wenn du geplant schwanger werden willst, solltest du am besten so früh wie möglich mit deinem Gynäkologen zusammen ein gutes Kombi-Präparat aussuchen, das alle für dich wichtigen Schwangerschaftsvitamine enthält. Auch dann, wenn du gar nicht vorhattest, Mutter zu werden, und auf einmal den positiven Test in der Hand hältst, empfiehlt es sich, lieber bis zum nächsten Termin beim Frauenarzt zu warten, bis du ein Präparat aussuchst. Wenn du ganz genau wissen möchtest, welche Schwangerschaftsvitamine dir womöglich fehlen, kannst du jederzeit eine Blutuntersuchung durchführen lassen. Bei Schwangeren gehören manche Tests zu den Vorsorgeleistungen, die die Krankenkasse übernimmt. Möchtest du hingegen einen vollständigen Überblick über alle wichtigen Schwangerschaftsvitamine, dann zahlst du für dieses Blutbild selbst – es sei denn, es gibt einen konkreten Verdacht auf einen bestimmten Mangel.

Wann beginnt die Einnahme der Schwangerschaftsvitamine?

Gerade hinsichtlich der Folsäure ist es eine sinnvolle Idee, schon vor der Befruchtung einer Eizelle mit der Einnahme zu beginnen. Denn wenn wirklich ein Mangel besteht, ist es kaum möglich, in den kritischen ersten 12 Lebenswochen deines Babys diesen Mangel durch Nahrungsergänzung wieder auszugleichen. Es wird gerade einmal reichen – wenn überhaupt. Bei Mikronährstoffen wie Eisen hingegen kannst du es gelassener angehen lassen. Vielleicht entwickelst du gar keinen Eisenmangel, wenn deine Ernährung dir ausreichend Eisen liefert. Dann musst und solltest du auch nichts einnehmen, denn Spurenelemente können durchaus überdosiert werden. Auch deswegen ist die Rücksprache mit deinem Frauenarzt so wichtig. Bei den Vitaminen hingegen kannst du wenig falsch machen. Diese kannst du guten Gewissens ebenfalls schon dann einnehmen, wenn du noch gar nicht schwanger bist. Auf diese Weise sind dein Baby und du auf der sicheren Seite, wenn es dann endlich so weit ist.

Schwangerschaftsvitamine aus der Nahrung – reicht das?

Du ernährst dich gesund und ausgewogen? Das sind beste Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft! Doch reichen dir die Schwangerschaftsvitamine, die du über frisches Gemüse, hochwertiges Fleisch und naturbelassenen Fettquellen in Maßen gewinnst? Das hängt ganz von der Qualität der Lebensmittel, der Art der Zubereitung und auch von deinem Stoffwechsel ab. Eine gesunde Ernährung sorgt dafür, dass du die meisten Schwangerschaftsvitamine in ungefähr ausreichender Menge bekommst. Die Ausnahmen sind nach wie vor die typischen Mangel-Mikronährstoffe Folsäure und Jod. Es ist beinahe unmöglich, diesen erhöhten Bedarf aus der Nahrung alleine zu beziehen. Das trifft bereits dann zu, wenn du noch gar nicht schwanger bist, doch wenn der Schwangerschaftstest erst einmal positiv ausfällt, steigt dein Bedarf schneller, als du essen kannst. Deine gesunde, naturbelassene Ernährung kann also für manche Schwangerschaftsvitamine in ausreichender Menge sorgen, für manche wiederum nicht. Ernähre dich weiterhin so gesund wie bisher, das tut deinem Baby und dir gut und beugt ganz nebenbei überschüssigen Pfunden vor, die du danach mühsam wieder abtrainieren müsstest. Habe aber trotzdem ein Auge darauf, wie deine Nährstoffversorgung aussieht – sprich deinen Gynäkologen darauf regelmäßig an?

Was tun, wenn bereits ein Mangel besteht?

Mangelerscheinungen können bereits bei einer nicht schwangeren Frau unangenehme Symptome hervorrufen. Jetzt in der Schwangerschaft ist dein Bedarf erhöht und du spürst noch viel deutlicher, wenn dir etwas in der Nahrung fehlt. Stellt sich bei der Blutuntersuchung heraus, dass dein Körper zu geringe Mengen eines wichtigen Mikronährstoffs bekommt, denkst du bestimmt sofort an die Gesundheit deines ungeborenen Kindes. Sobald du einen Mangel aufgedeckt hast, solltest du mit der Einnahme des Präparates beginnen, welches dir dein Gynäkologe empfohlen hat. Um diese Maßnahme noch zu unterstützen, kannst du dich zusätzlich informieren, in welchen Lebensmitteln besonders große Mengen des Stoffs stecken, den ihr beide jetzt braucht. Wichtig ist dabei auch, wie das jeweilige Lebensmittel so zubereitet wird, dass es auch wirklich größtmögliche Mengen des fraglichen Nährstoffs liefert. Bei vielen Gemüsesorten ist es beispielsweise so, dass sie nur schonend gegart werden oder sogar lieber ungekocht gegessen werden sollten, damit sie die größtmögliche Menge an Nährstoffen behalten. Andernfalls schmecken sie zwar noch nach Gemüse, liefern aber nicht das, was du anhand einer Nährstofftabelle erwarten würdest.