Salbei – das Heilkraut für zahlreiche Beschwerden

Der echte Salbei – lateinische Bezeichnung Salvia officinalis – wird mit seiner desinfizierenden und zusammenziehenden Wirkung als eines der wichtigsten Heilkräuter betrachtet und spielte schon in der Antike und in der keltischen Mythologie eine große Rolle. Auch die Ägypter schätzten ihn sehr. Sie gaben ihren Frauen Salbeisaft, um die Fruchtbarkeit zu fördern. Vielleicht stammt folgender Rat davon ab: Frauen sollten bei jedem Gang durch den Garten ein rohes Salbeiblatt essen. Auch in der jahrtausendealten indischen Medizin, dem Ayurveda, sind Salbeiblätter ein fester Bestandteil. Im Mittelalter galt das Kraut als Allheilmittel un9d wurde vor allem in Klostergärten angebaut.

Apotheker und Ärzte schätzen ihn damals ganz besonders als Wundmittel zur Reinigung der Wunden und zur Blutstillung. Schon im 6. Jahrhundert brachten Mönche die Heilpflanze über die Alpen in nördlichere Regionen. Daher verwundert es nicht, dass bei frühen Erwähnungen die Pflanze im Klosterplan von St. Gallen, bei dem Mönch Strabo vom Kloster Reichenau und bei Hildegard von Bingen auftaucht. Der Heilkräuter-Boom in den 1980er-Jahren sorgte dafür, dass die in Vergessenheit geratenen Kräutergärten in vielen Klöstern wieder neu angelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Auch in Bauerngärten ist Salvia officinalis eine traditionelle Pflanze, die nicht fehlen darf. Heute vertrauen immer mehr Menschen wieder der Kräutermedizin und so findet das Heilkraut Anwendung bei vielerlei Beschwerden. Als Gewürzkraut, das viele Speisen bekömmlicher und schmackhafter macht, wird er ebenfalls gerne verwendet.

Herkunft des Salbeis

Die Heimat des Salbeis ist der Mittelmeerraum. Doch inzwischen findest du dieses Heil- und Gewürzkraut auch bei uns in vielen Gärten, wo es als wärmeliebende Pflanze einen vollsonnigen Platz und leichten Boden bevorzugt. Staunässe und zu viel Dünger liebt er nicht, dagegen übersteht er auch Trockenzeiten sehr gut. Als wärmeliebende Pflanze braucht er in rauen Lagen jedoch einen Winterschutz, zum Beispiel Reisigäste. Wild wächst er noch in Italien, hauptsächlich an der Adriaküste in sandigen und kalkhaltigen Gegenden. Neben Salvia officinalis gibt es zahlreiche weitere Salbeiarten, die teils im Garten als Zierpflanzen kultiviert werden. Alle Salbeiarten gehören zur Familie der Lippenblütler und blühen in unterschiedlichen Farbtönen. Der echte zeigt von Mai bis Juli seine etwa zwei Zentimeter langen blauen bis violetten Blüten, die eine hervorragende Bienenweide abgeben. Die ausdauernde, buschige Pflanze wird bis zu 80 cm hoch und verholzt leicht, wenn du sie nach der Blüte nicht zurückschneidest. Auffallend sind die länglichen silbrig-grünen und leicht filzigen Blätter. Sie verströmen durch die darin enthaltenen ätherischen Öle einen aromatischen Duft. In den Blättern stecken auch die vielfältigen Heilkräfte.

Besonderheiten des Salbeis

Salbeiblätter haben einen scharfen, trockenen und kräftigen, leicht bitteren Geschmack. In der Küche passen sie deshalb besonders gut zu fettreichen Speisen. Hauptsächlich wird Salbei jedoch als Heilkraut verwendet. Seine bekannten Wirkstoffe sind ätherische Öle, die unter anderem Thujon, Borneol, Cineol und Camphen enthalten, außerdem sind die Blätter reich an Gerb- und Bitterstoffen, Terpenen sowie zahlreichen Flavonoiden. Bei den Bitterstoffen ist es vor allem das typische Salvin. Die Menge und Zusammensetzung dieser Stoffe hängt stark von klimatischen Bedingungen und dem Erntezeitpunkt ab, der am idealsten vor der Blüte ist. Zusammen weisen die Inhaltsstoffe antibakterielle, antivirale, fungizide, adstringierende und antiseptische Eigenschaften auf. Dabei ist das Thujon giftig, deshalb solltest du Salbeitee oder-tropfen nicht über längere Zeit zu dir nehmen. Der Name Salvia kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Heil bzw. heilen. Dies sagt schon sehr viel über die breite Wirkung der Pflanze aus. Verwendet wird das Heilkraut für Tee, Tinktur, Tropfen, Salbeiöl, Salbeiwein und Pulver; in der Industrie für Halsbonbons und –pastillen. Für die Anwendungen werden überwiegend die getrockneten Salbeiblätter genommen. Dazu schneidest du vor dem Aufblühen einige Stängel ab, hängst sie in Büschel gebunden auf oder legst sie in nicht zu dicken Lagen im Schatten zum Trocknen aus. Im Backofen oder im Dörrautomat lassen sie sich bei maximal 40 Grad ebenfalls trocknen. Nach dem Trocknen dunkel und kühl aufbewahren. Du kannst getrocknete Salbeiblätter auch kaufen. Achte dabei auf die Qualität. Außerdem sollten sie nicht älter als ein Jahr und die Packung aromaversiegelt sein.

Salbei als Heilkraut – früher und heute

In der Naturheilkunde hat die Verwendung des Heilkrautes eine lange Tradition. Schon Hippokrates, Hildegard von Bingen und Paracelsus – um nur die bekanntesten zu nennen – empfahlen die Anwendung von Salbei bei Fieber, Koliken, Harnwegsleiden, Appetitlosigkeit, Erkältungen, Zahnleiden und Roter Ruhr. Während der verschiedenen Pestepidemien spielte das Kraut ebenfalls eine bedeutende Rolle. Diebe rieben sich mit einer Mischung aus Salbeiblättern, Lavendel, Rosmarin und Thymian zum Schutz gegen den Pesterreger ihren Körper ein und konnten so, ohne sich zu infizieren, die Häuser der Toten ausplündern. Zum Einsatz kam das Heilkraut auch bei Krämpfen, Juckreiz, Lungenentzündung, Schlafsucht, Verdauungsproblemen und Gliederschmerzen. Alte Rezepte empfehlen Salbeipuder oder frische Blätter für Zähne und Zahnfleisch zur Reinigung und Kräftigung. Schon im 10. Jahrhundert benutzten arabische Ärzte, Gelehrte und Philosophen Salbeitee mit Honig zur Steigerung ihrer geistigen Fähigkeiten. Als ätherisches Salbeiöl wirkt es desinfizierend und krampflösend. Außerdem eignet sich das Öl bei Erkältungen zum Inhalieren. Aufgrund der desinfizierenden Wirkung wurden Salbeiblätter lange Zeit als Räuchermittel im Zimmer von Schwerstkranken verbrannt.

Auch heute noch sind viele dieser Empfehlungen gültig und die medizinische Forschung kann dieses alte Wissen zum großen Teil bestätigen. Die enthaltenen Wirkstoffe schaffen tatsächlich Linderung bei Alltagsbeschwerden. Naturkundlich verwendet wird das Heilkraut heute bei:

  • Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen
  • Erkältungen und Halsschmerzen
  • Mandel-, Rachen- und Kehlkopfentzündungen
  • starkem Schwitzen
  • zur Wundheilung
  • leichten Verdauungsbeschwerden
  • Bronchitis
  • Keuch- und Raucherhusten
  • Rheuma
  • Kopfweh
  • Nervosität und schwachen Nerven
  • zum Abstillen in der Stillzeit
  • dünnen, ergrauenden Haaren
  • Hautproblemen

Die bekanntesten Einsatzgebiete des Salbeis sind sicher Entzündungen im Mund- und Rachenraum und verschiedene Zahnerkrankungen. Dafür werden Spülungen oder Gurgeln mit Salbeitee bzw. Mundwasser empfohlen. Auch spezielle fertige Salbeipräparate können Abhilfe bei diesen Beschwerden schaffen. Da Salbei entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften hat, ist er auch oft in Zahncremes und Hustenbonbons enthalten. Bekannt ist die Wirkung von Salbeitee bei übermäßigem Schwitzen, vor allem in den Wechseljahren. Hilfreich ist Salbeitee auch für Mädchen während der Pubertät und für Frauen bei Menstruationsstörungen. Verantwortlich sind dafür vermutlich die enthaltenen Gerbstoffe und Terpene.

Regelmäßiges Trinken des kalten Tees – 2-3 Tassen am Tag, jedoch nicht länger als vier Wochen, dann eine Pause machen – hemmt die Schweißproduktion. Der Tee kann bei Verdauungsbeschwerden eine Linderung bringen. Dazu zählt auch das Reizmagen-Syndrom, das Blähungen, Krämpfe, Schmerzen und Appetitlosigkeit verursachen kann. Vermutet wird nach neuesten Studien sogar, dass Salbeitee auf die Senkung des Blutzuckerspiegels Einfluss hat. Ideal wäre dies für Diabetiker. Die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung des Salbeis eignet sich ideal zur Wundheilung und bei unreiner und fettiger Haut. Hier empfehlen sich Salbeiumschläge aus einem starken Absud. Sie wirken beruhigend, zusammenziehend und gegen Entzündungen. Bei stillenden Frauen unterbindet Salbeitee den Milchfluss und sollte daher während der Stillzeit nicht getrunken werden. Beim Abstillen dagegen kann er hilfreich sein. Dünnes und ergrauendes Haar regelmäßig mit einem starken Sud gespült, macht das Haar kräftiger und gibt ihm eine schöne dunkle Farbe.

Auch bei fettigen Haaren hilft eine Spülung mit dem Sud. Sitzbäder mit Salbeiabsud oder die tägliche Einnahme von Salbeiwein sollen das Nervensystem unterstützen, etwa bei Stress und Aufregung. Das Kraut beruhigt und bringt Gelassenheit, gleichzeitig regt es auch an und stärkt den Kreislauf. In Studien wurde sogar eine antikanzerogene Wirkung des Salbeis festgestellt. Die enthaltenen Diterpene sollen den Zelltod der Tumorzellen auslösen. Im Gespräch sind dabei Leukämie und Lymphdrüsenkrebsarten. Wie schon die Ägypter, fand der Engländer John Gerard im Mittelalter: „Salbei ist einzigartig gut für Kopf und Gehirn und beschleunigt die Nerven und das Gedächtnis“. Ein Team des Medizinischen Pflanzenforschungszentrum Newcastle up Tyne machte dazu eine Studie und das Ergebnis bestätigte diese Aussage von Gerard.

Der Grund ist ein Enzym des Salbeis, das den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin hemmt. Bei der Alzheimer Erkrankung wird dieser Botenstoff im Gehirn abgebaut. Geforscht wird nun, welche Inhaltsstoffe des Salbeis dafür verantwortlich sind und ob sich daraus ein Medikament entwickeln lässt. Beobachtet wurde in Studien auch die hemmende Wirkung auf das Herpesvirus. Rituelle Räucherungen mit der reinigenden Wirkung des Heilkrautes gab es schon immer. Heute werden diese Räucherungen wieder vermehrt durchgeführt, zum Beispiel zur Raumreinigung bei Wohnungsneubezug, nach Krankheiten, bedeutenden Veränderungen im Leben oder in der Landwirtschaft die Ställe.

Wie kannst du das Heilkraut anwenden??

Innerlich angewandt, ist Tee das einfachste Mittel. Er kräftigt die Widerstandsfähigkeit des Organismus und des Nervensystems. Ideal auch bei klimakterischen Beschwerden mit Herzklopfen, Blutandrang im Kopf und Schweißausbrüchen. Dazu 2 Teelöffel getrocknete Salbeiblätter mit 1/4 l kochendem Wasser überbrühen. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Je nach Geschmack kannst du noch etwas Honig oder einen Spritzer Zitronensaft zugeben. Bei Schwitzen und Verdauungsbeschwerden kalt trinken.

Ein wöchentliches Sitzbad kann zur psychischen Stärkung beitragen. Frauen hilft ein Sitzbad auch bei Ausfluss oder Wundsein im Intimbereich. Dafür lässt man 4 Hand voll getrocknete Salbeiblätter in ca. drei Liter kaltem Wasser über Nacht ziehen. Am nächsten Tag bis zum Sieden erhitzen, abseihen und ins Badewasser (38-40 Grad) geben. 20 Minuten darin baden. Salbeiwein kann ebenfalls die Nerven stärken. Dazu 80 g getrocknete Salbeiblätter zehn Tage in 1 Liter süßen Wein ziehen lassen. Danach durch ein Tuch abgießen. Nach jedem Essen 1 Esslöffel davon einnehmen.

Die Salbei Tinktur ist wie Tee gegen Schweißbildung, Durchfall und Magenbeschwerden. Dafür werden 50 g getrocknete Salbeiblätter mit 1/2 Liter 50 %igem Alkohol in einer Flasche angesetzt. Verschließen und unter öfterem Umschütteln 10 Tage ziehen lassen. Danach durch ein Tuch abgießen und in eine braune Apothekerflasche – eventuell mit Pipette – füllen. Von der Tinktur 3-mal täglich 30 Tropfen auf 1 Esslöffel Wasser einnehmen.

Salbei Umschläge können bei pickeliger Haut Abhilfe schaffen. Das Kraut reguliert die Talgproduktion und bekämpft Bakterien. Auch bei der Wundheilung können die Umschläge helfen. Dazu 2 Esslöffel getrocknete Salbeiblätter mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen, 20 Minuten ziehen lassen, abseihen. Ein sauberes Baumwolltuch in dem warmen Aufguss einweichen, leicht auswringen und auf die Wunde legen. Für die unreine Gesichtshaut können ebenfalls Umschläge auf das Gesicht gelegt werden oder gezielt Wattetupfer auf die entsprechenden Stellen legen. 20 Minuten einwirken lassen, danach mit lauwarmem Wasser abspülen.

Salbeimundwasser hilft bei Zahnfleischbluten, es heilt und festigt das Zahnfleisch. Dafür 6 frische Salbeiblätter klein hacken. 1/2 Liter Wasser und eine Prise Salz aufkochen und die Salbeiblätter überbrühen. Abkühlen lassen, durch ein feines Sieb gießen und die Blätter gut ausdrücken. Nach dem Zähneputzen als Gurgelwasser verwenden.

Bei Zahnfleischentzündungen wird das Kauen frischer Salbeiblätter oder das Einreiben und Massieren mit dem Blattbrei empfohlen. Frische Salbeiblätter sollen auch bei Mundgeruch helfen. Bei Druckstellen von Prothesen oder Zahnspangen kann mehrmaliges Einreiben mit frischen Blättern Abhilfe schaffen.

Selbstgemachter Salbei-Sirup hilft ebenfalls bei Erkältungen und wird auch von größeren Kindern genommen. Dazu 1 kg Zucker in 1 l Wasser aufkochen. Danach 4 Handvoll frische Salbeiblätter und 2 Biozitronen in Scheiben geschnitten dazugeben. Zwei Tage an einem kühlen Ort durchziehen lassen, abseihen und nochmals kurz aufkochen. Heiß in Flaschen abfüllen und gut verschließen. Bei Erkältung und Halsschmerzen 3-mal täglich 1 Esslöffel Sirup auf 1 Glas gut warmes Wasser trinken.

Vorsicht Nebenwirkungen!

Innerliche Anwendungen mit Salbeitee, -tinktur oder -öl solltest du grundsätzlich nur für die Dauer der Beschwerden vornehmen. Der enthaltene Wirkstoff Thujon kann Vergiftungserscheinungen auslösen, wenn er länger und in größeren Mengen aufgenommen wird. Anzeichen für eine toxische Wirkung sind beschleunigter Herzschlag, Krämpfe, Übelkeit, Schwindel- und Hitzegefühl. Äußerliche Anwendungen und die Verwendung als Gewürz sind in der Regel unbedenklich. Für Schwangere, Kleinkinder und Stillende eignet sich das Heilkraut in keiner Form. Zum Abstillen dagegen ist Salbeitee ein beliebtes Mittel, da der Milchfluss vermindert wird. Allergische Reaktionen treten vereinzelt auf.