Neurodermitis beim Säugling, Baby und Kleinkind

Wenn die Neurodermitis beim Baby diagnostiziert wird, ist das zuerst ein Schock für die Eltern. Über 50 Prozent der Diagnosen werden im Säuglings- oder Babyalter gestellt. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Neurodermitis wird im Laufe der Zeit deutlich besser. Ein weiterer positiver Punkt ist die Tatsache, dass die Neurodermitis – im Rahmen einer konsequenten Behandlung – sehr gut behandelbar ist. Die Betroffenen können durchaus ein beschwerdearmes Leben führen. Wichtig ist, dass die Krankheit von den Eltern und von dem Kind verstanden, akzeptiert und in weiterer Folge konsequent behandelt wird.

Was ist eine Neurodermitis?

Unter einer Neurodermitis wird eine chronische, jedoch nicht ansteckende Hautkrankheit bezeichnet. Die Hauptursachen der Entstehung sind erbliche Faktoren, wobei auch Umwelteinflüsse die Krankheit begünstigen können. Eltern, die selbst von einer Neurodermitis betroffen und sogenannte Neurodermitiker sind, geben höchstwahrscheinlich ihre Erkrankung – im Rahmen der genetischen Vererbung – an das Kind weiter. Es gibt aber heutzutage bereits verschiedene Möglichkeiten, wie der Ausbruch der Neurodermitis vermieden werden kann. Es gibt auch unterschiedliche Methoden, dass die Intensität der Erkrankung beim Säugling bzw. Baby reduziert werden kann.

Wie erkennst Du, dass das Baby oder Säugling Neurodermitis hat?

Es gibt zahlreiche Symptome, welche durch die Neurodermitis verursacht werden. Ein erstes Anzeichen ist der sogenannte Milchschorf, der bereits ab dem dritten Monat eintritt. Es bilden sich rötliche Bläschen, welche vorwiegend auf der Kopfhaut des Babys auftreten. Die Bläschen sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, wobei – wenn die Bläschen austrocknen – eine weiße Kruste zurückbleibt. Der Milchschorf kann sich – bei einer starken Ausprägung der Neurodermitis – über den Hals sowie die Arme und Beine ausbreiten. In wenigen Fällen kann auch der gesamte Körper des Babys betroffen sein.

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Auch wenn der Milchschorf nicht automatisch zu einer Neurodermitis führt, spricht der Mediziner dennoch von einem erhöhten Risiko, dass das Neugeborene ein Neurodermitiker wird. Im weiteren Verlauf treten etwa Ekzeme in den Kniekehlen, am Hals sowie an den Armbeugen des Kindes auf. Das Baby verspürt einen äußerst starken Juckreiz an den betroffenen Stellen, sodass in weiterer Folge eine Art Teufelskreis entsteht. Denn das Baby kratzt sich die juckende Stelle, wobei das Kratzen dazu führen kann, dass ein noch stärkerer Ekzembefall an den bereits betroffenen Stellen auftritt.

Auch wenn die Neurodermitis eine belastende Erkrankung für die Eltern und das Kind darstellt, handelt es sich aber nicht um eine ernste oder schlimme Krankheit. Mit den richtigen Maßnahmen und Behandlungen ist es möglich, dass die Symptome, die von der Neurodermitis verursacht werden, sehr wohl gelindert werden können. Es ist durchaus möglich, dass die Hautkrankheit mit dem Eintreten der Pubertät zur Gänze verschwindet bzw. eine deutliche Abschwächung der Symptome erkennbar ist.

Wie wird die Neurodermitis diagnostiziert?

Es gibt bislang keine speziellen Verfahren, welche bestätigen, dass es sich um eine Neurodermitis handelt. Das bedeutet, dass es keine Tests oder auch Laborwerte gibt, die eindeutig sagen, dass das Baby unter der speziellen Hautkrankheit leidet. Vorwiegend befasst sich der Mediziner mit einer umfassenden Anamnese und einer Hautuntersuchung. Dabei achtet der Mediziner auf Hautveränderungen, wobei das Augenmerk auf eine trockene Haut oder auch entzündliche Veränderungen gelegt wird. Weitere Hinweise können auch ein starker Juckreiz sowie Ekzeme an den Ellenbeugen, an den Kniekehlen sowie im Gesicht sein. Ein weiterer Anhaltspunkt sind bereits bestehende Erkrankungen bei den Eltern oder anderen Familienmitgliedern.

Mit der richtigen Körperpflege die Symptome lindern

Das A und O ist die richtige Körperpflege des Babys. Verwenden Sie etwa rückfettende Badezusätze, wenn Ihr Baby an Neurodermitis erkrankt ist. Auch wenn die rückfettenden Badezusätze ein leichtes Brennen verursachen, verhindern jene das weitere Austrocknen der Haut. Die Temperatur des Badewassers sollte lauwarm sein; achten Sie darauf, dass die Wassertemperatur nicht über 35 Grad steigt. Nach dem Bad ist es wichtig, dass die Haut des Babys sehr sanft abgetrocknet wird. Dabei ist es ratsam, wenn getupft und nicht gerieben wird. So werden weitere Hautirritationen verhindert. Nach dem Abtrocknen ist es wichtig, dass die Haut eingecremt wird. Verwenden Sie dermatologisch getestete und nicht parfümierte Produkte. Besteht ein sehr starker Ekzembefall, sollte die Harnstoffsalbe zum Einsatz kommen. Da der Harnstoff die Feuchtigkeitsspeicherung der Haut erhöht, bleibt die Haut des Babys deutlich weicher. Cortisonpräparate sollten nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt verwendet werden.

Spezielle Haarwaschmittel – welche dermatologisch getestet wurden – sollten etwa dann verwendet werden, wenn die Kopfhaut des Babys mit Milchschorf-Verkrustungen übersät ist. Die Verkrustungen können auch – mit einem Öl getränkten Waschlappen – sanft von der Haut gelöst werden. Eine weitere Möglichkeit stellen fett-feuchte Umschläge dar. Während der Nachtruhe trocknet die Haut aus; damit jener Feuchtigkeitsverlust ausgeglichen werden kann, sollte das Baby mit derartigen Umschlägen versorgt werden.

Natürlich gibt es auch immer wieder dubiose Heilmittel, welche in verschiedenen Foren diskutiert werden. Jeder will das Beste für sein Baby, jedoch gibt es auch Anbieter, die primär nur auf den Gewinn aus sind und von „sofortiger Heilung“ sprechen.

Mitunter kann es auch vorkommen, dass Sie sich mit der Situation überfordert fühlen. Aber auch das Kind kann unter der Erkrankung leiden. Bemerken Sie etwa eine psychische Belastung bei sich selbst oder bei Ihrem Kind, sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren und um Rat suchen. Es gibt sehr wohl Hilfe von außen.

Kann Neurodermitis vorgebeugt oder verhindert werden?

Sind Elternteile selbst von der Neurodermitis betroffen, wird die Veranlagung weitervererbt. Es gibt aber sehr wohl Vorsorgemaßnahmen, die den Ausbruch der Neurodermitis verhindern, abschwächen oder mitunter auch hinauszögern. Die beste Vorsorge ist die Muttermilch.

Eine richtige Ernährung ist im Rahmen der Vorbeugung unerlässlich. So gut es geht, sollten Sie Ihren Säugling vier bis sechs Monate stillen. Beginnen Sie erst ab dem vierten Monat mit der Beikost. Studien haben belegt, dass jene Vorgehensweise durchaus eine positive Entwicklung auf das Baby hat, sodass die Neurodermitis verhindert bzw. hinausgezögert werden kann. Wenn Sie jedoch nicht stillen können, sollten sie sich für eine hyperallergene HA-Nahrung entscheiden. Beachten Sie den Zusatz „in der GINI-Studie geprüft“; nur so können Sie sicher sein, dass Sie ein hochwertiges Produkt erworben haben.

Eier, Nüsse oder Fisch sollten erst ab dem zweiten Lebensjahr auf dem Speiseplan stehen. Dies deshalb, da jene Lebensmittel bekannt dafür sind, dass sie Allergien auslösen können und somit ein Ausbruch der Neurodermitis begünstigt wird.

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Die größten Allergieauslöser sind der Zigaretten- sowie auch Zigarrenrauch. Rauchen Sie deshalb weder in der Schwangerschaft, noch in der Wohnung oder in der Umgebung des Kindes. Neurodermitis wird auch durch Feinstaub und Autoabgase begünstigt. Studien haben bereits bestätigt, dass Kinder – die direkt an sehr stark befahrenen Straßen wohnen – sehr wohl häufiger an Neurodermitis (oder auch Asthma sowie Heuschnupfen) erkranken als jene, die in der Natur aufwachsen oder fernab jeglichen Straßenverkehrs beheimatet sind. Wohnen Sie dennoch an einer stark befahrenen Straße, sollten Sie nicht zu Stoßverkehrs-Zeiten die Fenster öffnen. Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrem Kind häufig ins Grüne kommen. Meiden Sie Parkanlagen, die ebenfalls direkt an stark befahrenen Straßen erbaut wurden.

Auch die Körperpflege spielt eine wesentliche Rolle. Wichtig ist, dass die Haut nicht zu stark belastet wird. Baden Sie das Kind daher nicht zu heiß und auch nicht zu lange. Nur so kann die unnötige Austrocknung der Haut verhindert werden. Verwenden Sie einen milden und rückfettenden Badezusatz und auch rückfettende Pflegeprodukte. Die Produkte sollten weder Konservierungsmittel, Paraffin oder auch Farb- wie Duftstoffe enthalten.

Ein weiterer Faktor, der die Neurodermitis begünstigt, ist Stress. Erleidet das Kind psychischen Druck, schüttet der Körper automatisch Stresshormone aus. Jene kurbeln das Immunsystem an, sodass es zu einem sogenannten „Neurodermitis-Schub“ kommt. Größere Kinder, die mitunter schon ein jugendliches Alter erreicht haben, erleben jene Zustände etwa bei einem Leistungsdruck in der Schule (etwa vor Prüfungen) oder auch im Rahmen von Theateraufführungen oder vor Sportveranstaltungen. Wichtig ist, dass daheim eine ruhige und besonnene Atmosphäre herrscht. Das Kind sollte auf keinen Fall unnötigen Stress erleiden müssen.

Weitere Tipps und Tricks:

Wenn Sie ein Neurodermitis Baby haben, sollten sie folgende Ratschläge beachten:

Führen Sie ein Tagebuch und finden Sie anhand der Aufzeichnungen heraus, welche Ursachen für einen Neurodermitis-Schub verantwortlich waren. Die Ergebnisse sollten nicht nur mit Ihrem Arzt, sondern auch mit Ihrem Kind besprochen werden. Mitunter gibt es Nahrungsmittel, welche die Neurodermitis begünstigen. Besprechen Sie den Ernährungsplan mit Ihrem Arzt oder einem Neurodermitis-Experten. Viele Mediziner vertreten die Meinung, dass auch die Hausstaubmilbe einen Grund darstellen kann, warum das Baby an Neurodermitis erkrankt ist. Bislang gibt es aber keine eindeutigen Beweise, dass die Hausstaubmilbe für den Ausbruch der Neurodermitis verantwortlich ist. Achten Sie dennoch darauf, dass die Wohnung regelmäßig gereinigt und von Staub befreit wird. Synthetische Kleidung verschlimmert die Situation, da jene sehr warm werden kann. Somit verstärken sich schon bestehende Ausschläge. Vorwiegend sollten Sie auf Baumwolle vertrauen. Leichte Bettwäsche und auch leichte Kleidungen, die in mehreren Lagen angezogen werden, sorgen in weiterer Folge dafür, dass das Baby seine Temperatur leichter regulieren kann. Die Fingernägel Ihres Babys bzw. Kindes sollten kurz geschnitten sein. Somit wird die Haut – wenn das Baby den Juckreiz mit Kratzen „stillt“ – nicht zu stark irritiert.