Natürliche Hilfe bei Neurodermitis: Nachtkerzenöl

Die 16-jährige Lena wälzt sich im Bett. Wie so oft kann sie nicht schlafen. Es juckt – überall. Das macht sie wahnsinnig. Wie eine Verrückte bohrt sie ihre Fingernägel in die Haut und kratzt und kratzt. Erst hier, dann dort, dann an einer dritten Stelle. Das ist eine Wohltat – für die ersten paar Sekunden. Kurz darauf brennt ihre Haut, später tut sie weh und wenn sie Pech hat, fangen die Stellen am nächsten Tag an zu eitern. Wir erklären, das Nachtkerzenöl bei Neurodermitis nicht nur Lena helfen kann.

Ihr Gesicht wird leuchten wie eine rote Ampel und die Schuppen werden von ihrer trockenen Haut rieseln wie Schneeflöckchen vom Himmel. Alle werden sie anstarren, keiner wird etwas sagen. Lena hält das nicht mehr aus. Von Kortison hat sie die Nase voll. Es hilft ja nicht einmal richtig. Sie möchte sich schminken wie die anderen Mädchen, doch ihre Haut verträgt das sanfteste Make-up nicht. Sie will sich nicht mehr verstecken, sondern ausgehen und flirten. Und sie wünscht sich so sehr, von einem Jungen geküsst zu werden. Bis jetzt sind das nur Träume. Doch als sie eine Woche später an ihrer Drogerie vorbeikommt, regt sich Hoffnung in ihr. Im Schaufenster hängt ein neues Plakat mit hübschen gelben Blumen drauf und sie liest: „Nachtkerzenöl – das Wundermittel bei Neurodermitis.“

Hilft Nachtkerzenöl bei Neurodermitis?

Hast Du Neurodermitis? Suchst Du genau wie Lena eine Lösung ohne Kortison. Du willst eine Lösung ohne Medikamente, die viele Nebenwirkungen haben? Eine Lösung, die all dem Jucken, den Schmerzen, den sozialen Problemen und negativen Gefühlen endlich ein Ende bereitet? Vielleicht fragst Du Dich jetzt, was Nachtkerzenöl ist. Oder Du hast davon gehört, weißt aber nicht so genau, ob und wie dieses wirkt oder wie Du es verwenden sollst. Hier findest Du alles Wissenswerte dazu. Und Du wirst sehen, Nachtkerzenöl ist ein Naturheilmittel, das Neurodermitis sehr gut kann. Am Schluss bekommst Du einige wissenschaftliche Studien dazu vorgestellt.

Nachtkerzenöl: Was ist das?

Das Nachtkerzenöl wird aus einer Pflanze gewonnen, die sich Gemeine oder Gewöhnliche Nachtkerze nennt. Das ist eine zweijährige krautige Pflanze. Im ersten Jahr wächst auf dem Boden eine Blattrosette mit einer fleischigen Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr erhebt sich daraus der Stängel mit den Laubblättern und später folgen viele gelbe Blüten. Beim Verwelken verfärben sich diese orange. Ihren bezaubernden Namen hat die Nachtkerze daher, dass ihre Blüten sich erst in der Abenddämmerung öffnen. Dies geschieht in einer einzigen fließenden Bewegung innerhalb weniger Minuten. Die Blüten leuchten dann wie Kerzen: emporgereckt gegen den dunkler werdenden Nachthimmel.

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Die Gemeine Nachtkerze ist eine anspruchslose Pflanze. Sie bevorzugt warme und sonnige Orte. Zum Gedeihen braucht sie einen trockenen und kalkhaltigen Boden. Du findest sie an Wegrändern, entlang von Eisenbahnschienen, in Kies- und Sandgruben, Steinbrüchen und auf Schotterbänken. Ursprünglich kommt sie aus Nordamerika. Im 17. Jahrhundert wurde sie nach Europa gebracht, wo sie sich rasch ausbreitete.

Die braune längliche Frucht der Gemeinen Nachtkerze enthält die Samen, aus denen das Öl gewonnen wird. Hierzu werden die Samen gereinigt und getrocknet und danach kalt gepresst. Im Öl befinden sich unter anderem die Gamma-Linolensäure und die Linolsäure. Beides sind mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäuren. Das Nachtkerzenöl wird wegen dieser wichtigen Fettsäuren für den Menschen gerne als Naturheilmittel eingesetzt.

Wie wirkt Nachtkerzenöl bei Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Das atopische Ekzem, wie die Krankheit auch genannt wird, gilt als nicht heilbar. Allerdings ist es gut behandelbar. Damit Du eine passende Therapie findest, musst Du jedoch die Ursachen Deiner Neurodermitis kennen. Ein möglicher Faktor sind die genetischen Anlagen, also das, was Du von Deinen Eltern geerbt hast. Defekte Gene können Schuld daran haben, dass wichtige Eiweiße in Deinem Körper nicht gebildet werden. Als Folge ist die Schutzfunktion der Haut gestört. Dadurch können Bakterien oder Allergene einfacher eindringen, Deine Haut angreifen und Entzündungen verursachen. Stell‘ Dir vor, Du gehst picknicken und packst Dein Sandwich in eine Frischhaltefolie. Leider ist diese Folie defekt und weist Löcher auf. Du bemerkst es nicht und legst Dein Brot auf einem Stein ab. Als Du es essen willst, wimmelt es von Ameisen. Sie haben Dein Sandwich überall angeknabbert. Ähnlich ist es mit Deiner Haut. Du siehst nicht, dass die Schutzschicht Deiner Haut nicht funktioniert. Du bemerkst dies erst, wenn Deine Haut bereits angegriffen ist.

Zudem produziert die gesunde Haut Fett, um geschmeidiger zu bleiben. Dieses Hautfett enthält unter anderem Gamma-Linolensäure. Diese kann Dein Körper nur aus Linolsäure herstellen, welche in bestimmten Nahrungsmitteln wie verschiedenen Ölen und Nüssen enthalten ist. Zur Umwandlung braucht Dein Körper ein ganz bestimmtes Enzym. Enzyme wirken in Deinem Körper wie Katalysatoren und beschleunigen so chemische Prozesse. Nun funktioniert dieses bestimmte Enzym bei Neurodermitikern jedoch nicht richtig. Das heißt, die Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolensäure geschieht viel zu langsam und dem Körper fehlt dann die Gamma-Linolensäure. Denk‘ an einen Katalysator in einem Auto. Dieser sorgt dafür, dass die Abgase weniger Schadstoffe enthalten. Wenn der Katalysator nicht funktioniert, fährt das Auto zwar immer noch, doch die Umwelt wird stark belastet. So ist es auch mit der Gamma-Linolensäure. Wenn das Enzym seine Arbeit nicht tut, funktionieren Dein Körper und Deine Haut weiter. Diese trocknet jedoch aus und ist dadurch geschädigt.

Dein Körper braucht also dringend Linolsäure und Gamma-Linolensäure, damit Deine Haut eine gesunde Fettschicht bekommt. Genau diese Säuren sind im Nachtkerzenöl enthalten. Wenn Du dieses anwendest, baut Dein Organismus es in den Hautzellen ein. Dadurch verstärkt sich der Schutz der Haut und diese speichert mehr Feuchtigkeit. Das ist sehr wohltuend bei Hautentzündungen und trockener Haut. Schuppen lösen sich, Risse verheilen. Der Juckreiz lässt nach. Die Widerstandskraft der Haut steigt. Die Schutzbarriere ist wieder hergestellt und schädliche Stoffe können von außen nicht mehr eindringen. Dank der Fettsäuren des Nachtkerzenöls wirkt die Haut sogar straffer. Du fühlst Dich nicht nur besser, sondern siehst auch jünger und besser aus. Die Wirkung des Öls ist sehr beständig. Es hat nicht nur einen lindernden, sondern auch einen vorbeugenden Effekt.

Achtung: Natürlich musst Du auch andere Ursachen für Deine Neurodermitis in Betracht ziehen. Wenn Du dauerhaft gestresst bist, musst Du etwas in Deinem Leben ändern. Du kannst zum Beispiel eine Entspannungsmethode erlernen. Und falls Du unter Allergien leidest, musst Du diese zusätzlich behandeln. Nur dann kannst Du mit Nachtkerzenöl eine dauerhafte Wirkung erzielen.

Wie kannst Du Nachtkerzenöl bei Neurodermitis anwenden und dosieren?

Du kannst Nachtkerzenöl bei Neurodermitis innerlich und äußerlich anwenden. Wenn Du eine nachhaltige Wirkung erzielen willst, ist es wichtig, dass Du das Öl regelmäßig nimmst.

Zur innerlichen Anwendung gibt es Nachtkerzenöl-Kapseln. Du solltest jeden Tag mindestens zwei bis drei Gramm des fetten Öls einnehmen, dies entspricht 160 bis 240 Milligramm Gamma-Linolensäure. Für Kinder unter zwölf Jahren werden ein bis zwei Gramm Öl pro Tag empfohlen. Achte auf jeden Fall auf die Packungsbeilage, dort kannst Du nachlesen, wie viele Pillen Du nehmen musst. Die Kapseln solltest Du nach dem Essen mit viel Flüssigkeit schlucken. Wenn Du Mühe mit dem Schlucken hast, kannst Du die Tablette auch öffnen, das Öl auf einen Löffel drücken und es gleichzeitig mit einem Getränk oder einem Lebensmittel trinken oder essen. Du kannst das Öl auch beim Kochen einsetzen und es zum Beispiel für die Zubereitung von Salat oder Gemüse gebrauchen. Allerdings schmeckt das Pflanzenöl recht intensiv und der Geschmack ist nicht jedermanns Sache.

Zur äußerlichen Anwendung kannst Du entweder das Öl selbst oder eine Nachtkerzenöl-Creme nehmen. Lies in der Packungsbeilage nach, wie Du das Öl oder die Creme richtig anwendest. Wenn die Haut nässt oder entzündet ist, verwendest Du am besten das reine Öl (kalt gepresst und unverdünnt). Zur Hautpflege kannst Du einige Tropfen Öl mit Deiner üblichen Creme vermischen.

Wenn Deine Neurodermitis akut und sehr schlimm ist, kombinierst Du am besten die innerliche und die äußerliche Anwendung miteinander.

Achtung: Babys unter einem Jahr sollten kein Nachtkerzenöl zu sich nehmen, denn für diese Altersgruppe wurde das Präparat zu wenig untersucht. Schwangere und stillende Frauen sollten die Einnahme zuerst mit ihrem Arzt besprechen. Die Fettsäuren könnten die Risiken für gewisse Schwangerschaftsprobleme erhöhen. Auch wer zusätzlich Medikamente einnimmt, sollte erst bei seinem Arzt nachfragen. Nachtkerzenöl sollte nicht zusammen mit Kortison angewendet werden, denn Kortison kann die Wirksamkeit des Öls verringern. Nebenwirkungen sind bei der Verwendung von Nachtkerzenöl sehr selten. Gelegentlich wird von Übelkeit, Verdauungsstörungen, Hautausschlägen oder Kopfschmerzen berichtet.

Wichtig: Wende das Nachtkerzenöl bei Neurodermitis mehrere Wochen oder sogar Monate an, um eine Wirkung zu erzielen. Auch wenn die Symptome abklingen und Deine Neurodermitis besser wird, kannst Du zur Vorsorge weiter Nachtkerzenöl nehmen. Auf diese Art kehren die Symptome nicht so schnell zurück und Du bleibst beschwerdefrei.

Was sagen Studien zu Nachtkerzenöl bei Neurodermitis und Ekzemen?

Zur Wirkung von Nachtkerzenöl bei Neurodermitis gibt es unterschiedliche Erfahrungsberichte und Untersuchungen. Manche Ärzte geben sich skeptisch. Doch viele Mediziner sind überzeugt von der Wirkung des Nachtkerzenöls und empfehlen dieses auch ihren Patienten als Alternative zu Medikamenten wie Kortison. In der Naturheilpraxis gilt Nachtkerzenöl oft als gutes Heilmittel nicht nur für Neurodermitis, sondern auch für weitere Störungen wie Menstruations- oder Wechseljahrbeschwerden, Akne, Schuppenflechte, Allergien, Kopfschmerzen, Stoffwechselprobleme oder verschiedene entzündliche Erkrankungen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) führt die Nachtkerze in ihrer Liste wichtiger Heilpflanzen.

Prof. Dr. Michael Meurer vom Dermatologischen Klinikum in München untersuchte in einer Studie die Wirkung von Nachtkerzenöl bei Neurodermitis und Asthma. Er fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der Erkrankten eine Linderung erfuhren und bei einem Drittel die Symptome sogar ganz verschwanden.

2002 untersuchten drei Mediziner an einer Universität in Korea den Effekt von Nachtkerzenöl bei Neurodermitis. Sie behandelten 14 Patienten mit trockener, juckender und schuppender Haut mit Nachtkerzenöl. Hautschädigungen und Trockenheit wurden durch die Behandlung deutlich reduziert. Die Forscher schlossen daraus, dass Nachtkerzenöl bei atopischem Ekzem hochwirksam ist.

Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11803254S

In einer Studie von 2005 überprüfte der Schweizer Naturwissenschaftler und Chemiker Reto Muggli die Wirkung von Nachtkerzenöl auf die Hautfeuchtigkeit, den Flüssigkeitsverlust der Haut, ihre Festigkeit und Elastizität, Widerstandsfähigkeit bei Müdigkeit, Rötungen und Rauheit. Er machte eine Doppelblindstudie mit gesunden Erwachsenen. Die Versuchspersonen wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam während zwölf Wochen Nachtkerzenöl in Kapseln, die andere ein Placebo (eine Pille, die keinen Wirkstoff enthält). Weder die Versuchspersonen noch die Versuchsleiter wussten, welche Gruppe welche Pillen bekam (deswegen der Name Doppelblindstudie). Zu Beginn und nach vier Wochen unterschieden sich die beiden Gruppen nicht voneinander. Nach zwölf Wochen hatten sich alle Variablen außer der Rötung in der Nachtkerzenöl-Gruppe signifikant verbessert. Muggli kommt zum Schluss, dass Nachtkerzenöl Funktion und Struktur unserer Haut entscheidend beeinflusst.

Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18492193

Morse und Clough machten 2006 eine Metaanalyse zur Wirkung von Nachtkerzenöl auf Neurodermitis. Sie trugen Daten aus 26 Studien mit insgesamt 1207 Patienten zusammen. Auch hier waren die Versuchspersonen zufällig einer Gruppe zugeteilt worden und niemand wusste, wer das Placebo und wer das Nachtkerzenöl erhielt. Das Ergebnis zeigte, dass Nachtkerzenöl nach einer Behandlung von vier bis acht Wochen einen positiven Effekt auf Juckreiz, Rötungen und Verkrustungen hat. Dies gilt für Erkrankungen wie Ekzeme, Neurodermitis und Schuppenflechte.

Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17168667

In einer indischen Studie von 2008 wurden Patienten, die während fünf Monaten Nachtkerzenöl erhielten, mit solchen, die in dieser Zeit Sonnenblumenöl bekamen verglichen. Alle Versuchspersonen litten an einem atopischen Ekzem. Am Ende der Untersuchung zeigten 96 % der Personen, die Nachtkerzenöl erhielten, eine signifikante Verbesserung in Bezug auf die Hauttrockenheit und den Juckreiz. In der Sonnenblumenöl-Gruppe gab es bei nur bei 32 % der Versuchspersonen Verbesserungen. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen gilt als statistisch signifikant.

Es gibt auch Studien, die nachweisen, dass Nachtkerzenöl bei Neurodermitis und anderen Hauterkrankungen keine Wirkung erzielt. Ein Beispiel ist die Cochrane Metaanalyse von 2013. Die amerikanischen Wissenschaftler um Joel Bamford vom Essential Health System untersuchten insgesamt 27 Studien mit 1596 Versuchspersonen. In allen Studien wurde die Einnahme von Nachtkerzenöl im Vergleich zu einem Placebo angeschaut. Die verschiedenen Untersuchungen dauerten zwischen 3 und 24 Wochen. Weder die Patienten noch die Ärzte konnten bei Einnahme von Nachtkerzenöl eine signifikante Verbesserung in Bezug auf die Ekzeme entdecken.

Allerdings ist es immer sehr schwierig, die Studien richtig auszuwerten und zu interpretieren. Die Ergebnisse einer Studie hängen auch davon ab, wer die Studie macht, wie viele Personen daran teilnehmen, wie lange sie dauert und wie die Resultate dargestellt werden. Und nicht jedes Mittel wirkt bei jedem Menschen genau gleich. Probiere Nachtkerzenöl gegen Neurodermitis einfach ein paar Wochen aus und schaue, ob sich Deine Symptome verbessern oder sogar ganz verschwinden.

Und Lena? Lena ist glücklich. Seit einem halben Jahr nimmt sie nun Nachtkerzenöl als Kapseln und Creme. Ihre Haut ist deutlich besser: Der Juckreiz ist weg, die Schuppen sind weg, die Rötungen sind weg. Sie traut sich wieder unter die Leute und genießt das Leben mit ihren Freundinnen zusammen. Und das Beste: Am Samstagabend hat sie ein Date mit einem richtig netten Jungen. Lena fühlt sich wohl in Ihrer Haut und das will für eine Neurodermitikerin etwas heißen.