Catechine – Wirkstoffe im Grüntee

Catechine sind bioaktive Wirkstoffe, die in verschiedenen Pflanzen vorkommen. Botanisch gesehen gehören sie zu einer Untergruppe der Polyphenole, den Flavonoiden. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, zu denen die meisten Blütenfarbstoffe zählen, aber auch Bitterstoffe wie Catechin. Es kommt in allen Teesorten vor, den höchsten Gehalt an bioverfügbarem Catechin haben aber Weiss- und Grüntee, der unter anderem die folgenden vier Arten des Wirkstoffes enthält: Epi-Catechin (EC), Epicatechin-Gallat (ECG), Epigallo-Catechin (EGC) und Epigallocatechin-Gallat (EGCG). Das gehäufte Vorkommen in Tee hat dem Wirkstoff auch den Namen Tee-Polyphenol eingebracht.

Catechine – ihre Funktionen und Eigenschaften

Catechine sind starke Antioxidantien. Unter diesem Begriff werden Wirkstoffe zusammengefasst, die sogenannte freie Radikale im Blut und den Zellen binden und unschädlich machen können. Das sind aggressive Sauerstoffmoleküle oder andere chemische Verbindungen mit Sauerstoffanhängen, die endogen bei Stoffwechselvorgängen als Endprodukt des Mitochondrienstoffwechsels entstehen. Von außen kommende Einflüsse wie Strahlung, Umweltgifte, Rauchen und unvorteilhafte Ernährung begünstigen ebenfalls die Bildung der schädlichen Substanzen. Die bekanntesten sind neben dem zweiwertigen freien Sauerstoffmolekül, Wasserstoffperoxid, Hyperoxid, Superoxid und Stickoxid. Diese Substanzen sind extrem reaktionsfreudig und aggressiv. Wenn sie nicht rechtzeitig abgebaut oder neutralisiert werden, können sie den Zellstoffwechsel aus der Balance bringen. Sie können Zellen und Gewebe schädigen und zerstören. Langfristig kann das gesundheitliche Konsequenzen für den Organismus haben, gegen die Antioxidantien wie Catechin vorbeugend wirken können. Sie können den oxidativen Stress eventuell mindern und dabei helfen, den Level der freien Radikale auf einem gesunden Niveau zu halten. Damit können sie einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung leisten.

Catechine im Grüntee und anderen Teesorten

Catechine sind als Bitterstoffe grundsätzlich in allen 5 großen Teesorten enthalten, da sie alle von der gleichen Teepflanze abstammen (Camellia Sinensis). Der bioverfügbare Gehalt ist aber im Endeffekt sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Gegensatz zu allen anderen Sorten wird bei der Herstellung von Grüntee die Fermentation nach dem Schnitt sofort gestoppt. Bei allen anderen Teesorten kommen verschiedene Fermentationsgrade zur Anwendung. Je vollständiger der Fermentationsprozess durchlaufen wird, desto größer ist der Einfluss auf Catechine und andere Polyphenole. Beträgt der Grad der Fermentation beim Weisstee nur 3 %, so steigt er vom gelben Tee, über Oolong- und Pu-Erh-Tee ständig an und erreicht beim Schwarztee die höchste Stufe, die vollständige Oxidation.

Grundsätzlich besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Fermentationsstufe und dem Gehalt an bioverfügbaren Catechinen. Das beruht darauf, dass sie durch den Oxidationsvorgang zwar nicht zerstört, aber umgebaut werden. Sie verlieren dadurch zunehmend ihre bioaktive Wirksamkeit als Antioxidans. Untersuchungen haben aber ergeben, dass die Qualität eines Tees und der Gehalt an Catechinen in einer Pflanzensorte auch von anderen Faktoren abhängen und sehr unterschiedlich sein können. Dazu gehören Klima, Bodenbeschaffenheit, Anbaumethoden, Saatsorte, das Alter der Pflanze, andere Umgebungsbedingungen und die Dauer der Reife. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Gesamtgehalt, sondern auch auf die Verteilung der verschiedenen Catechinfraktionen, besonders auf den Anteil an dem hochwirksamen ECGC. Unter Berücksichtigung all dieser Erkenntnisse hat sich vor allem Grüntee als Vertreter mit dem höchsten bioverfügbaren Catechingehalt herauskristallisiert.

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Catechine im Grüntee

Unter Berücksichtigung der Saatsorte und anderen Bedingungen, die die Qualität eines Grüntees beeinflussen können, kann der Catechingehalt sehr unterschiedlich sein. Er schwankt in der Regel zwischen 14 % und 26 %, kann aber in Einzelfällen auch über 30 % betragen. Der Gesamtgehalt kann weiter in die mehr als 10 in Grüntee vorkommenden Catechintypen aufgeschlüsselt werden. Die Substanz, die die mit Abstand größte Fraktion darstellt, ist Epigallocatechin-Gallat (EGCG). Ihr Wert ist im Grüntee im Vergleich zu anderen Teesorten sehr hoch und schwankt zwischen 5 und 10 %, das entspricht etwa der Hälfte des Gesamtgehaltes der Catechine. Das ist auch der Grund warum sich wissenschaftliche Studien zur gesundheitlichen Wirkung ausschließlich auf diesen Stoff beziehen und die restlichen Substanzen außer Acht lassen. Dieses Vorgehen wird dem Grüntee als Vollspektrumprodukt nicht gerecht, weil die Erfahrung zeigt, dass auch die anderen Catechintypen bei der Gesunderhaltung mitwirken können. Im Teeaufgusss können sie eh nicht getrennt werden und bilden immer eine Gesamtkombination aller Wirkstoffe.

In der folgenden Liste finden Sie die 10 wichtigsten Catechine des Grüntees:

  • EC Epi-Catechine
  • CG Catechin-Gallat
  • GC Gallo-Catechine
  • ECG Epicatechin-Gallat
  • EGC Epigallo-Catechine
  • GCG Gallocatechin-Gallat
  • EGCG Epigallocatechin-Gallat
  • EGCG3″Me Epigallocatechin-Gallat-3-O-Mebedeutethyl
  • GCG3″Me Gallocatechin-Gallat-3-O-Methyl

Verschiedene Grünteesorten und ihr Wirkstoffgehalt

Catechine sind wie schon erwähnt Bitterstoffe. Das bedeutet auch, dass sie sich geschmacklich auf den Tee auswirken. Je höher der Gehalt ist, desto bitterer schmeckt der Aufguss. Sorten wie Benifuuki mit mehr als 23 % Gesamtcatechin und über 10 % EGCG munden daher sicherlich nicht jedem. Aus gesundheitlicher Sicht ist das auch überhaupt nicht von Bedeutung, denn es ist nicht wichtig, sich an der absoluten Menge der Catechine zu orientieren. Nicht der Gehalt an einzelnen Wirkstoffen ist bedeutsam, sondern der Effekt, der durch das Zusammenspiel und die Wechselwirkung aller Komponenten erreicht wird. Dazu gehören auch die übrigen Polyphenole, Chlorophyll und die in manchen Sorten reichhaltig enthaltenen Aminosäuren und Mineralstoffe. Eine ausreichende Grundversorgung kann dementsprechend durch eine Kombination der gängigsten Teesorten erreicht werden. Sie sind außerdem wohlschmeckend und im Vergleich zu Kaffee relativ koffeinarm.

Die am weitesten verbreitete Kultursorte von Grüntee ist Gyokuro, die in mehreren Kultur- und Saatsorten erhältlich ist. Sie variieren im Geschmack und leicht in der Zusammensetzung der Wirkstoffe. Gyokuro ist aufgrund seines reichlichen, aber nicht zu hohen Catechingehaltes sehr wohlschmeckend und enthält darüber hinaus sehr viele Aminosäuren, Chlorophyll, Mineralstoffe, andere Polyphenole und Koffein. Erreicht wird diese Zusammensetzung dadurch, dass die Pflanzen bei der Zucht vollbeschattet werden. Die chemischen Prozesse, die zur Umwandlung bestimmter chemischer Verbindungen durch das Sonnenlicht gefördert werden, werden damit unterbunden. Heraus kommt ein hochwertiger Tee, der nicht nur gut schmeckt, sondern auch ein sehr hohes gesundheitliches Wirkungsspektrum aufweist. Er kann Stoffwechselvorgänge unterstützen und kann helfen, die Denk- und Gedächtnisleistung zu unterstützen.

Ähnliches gilt für Matchatee. Er wird auch im Schatten aufgezogen und ähnelt in der Wirkstoffzusammensetzung dem Gyokuro. Allerdings unterscheidet er sich geschmacklich. Er ist leicht herb und sehr aromatisch, aber nicht bitter. Durch den hohen Gehalt an Koffein und L-Theanin, einer besonderen Aminosäure, ist seine stoffwechselanregende Potenz noch höher als beim Gyokuro. Er eignet sich deshalb besonders für die Förderung der Organleistungen im Ausdauerbereich und bei kognitiven Fähigkeiten. Aufgrund des hohen Koffeingehaltes sollten ihn empfindliche Menschen nicht direkt vor dem Schlafen gehen zu sich nehmen.

Dafür eignet sich Bancha Tee sehr gut. Er enthält deutlich weniger Koffein und ist in Japan sehr beliebt als Alltagstee vor allem nach dem Essen und vor dem Schlafen. Er eignet sich von seinem Wirkungsprofil hervorragend als Ergänzung zu den anderen Teesorten. Schwangere und Menschen mit sensiblem Magen oder Darm können ihn in der Regel problemlos trinken und von seinen positiven Wirkungen profitieren. Er wirkt ausgleichend und beruhigt auf den Verdauungsbereich und ist ein hervorragender Mineralstofflieferant mit einem sehr hohen antioxidantischen Potenzial.

Sencha ist die Teesorte, die in Japan mit Abstand am häufigsten angebaut wird. Die Pflanzen werden nicht beschattet und können deshalb die Wirkung der Sonneneinstrahlung voll ausnutzen. Aus diesem Grund ist der Gesamtgehalt der Catechine im Allgemeinen und der von EGCG im Speziellen sehr hoch, der von L-Theanin aber relativ gering. Für koffeinsensible Menschen ist er eher nicht geeignet. Die Geschmacksbreite reicht von herb, bitter bis frisch, duftig oder sogar süßlich. Sencha hat das am breitesten gefächerte gesundheitliche Potenzial aller Grünteesorten, ohne auf bestimmte Bereiche spezialisiert zu sein. Wissenschaftlich wird stetig untersucht, ob Grüntee eine unterstützende Fähigkeit beim Abnehmen hat. Er ist gleichzeitig ein hochwertiger Lieferant von Mineralstoffen und Vitaminen und kann die durch die Diät auftretenden Defizite dieser Vitalstoffe ausgleichen.

Fazit

Alle hier vorgestellten Tees gibt es abhängig vom Anbaugebiet, Saatsorte, Erntezeit und Verarbeitung in verschiedenen Qualitäts- und Preisstufen. Dementsprechend kann sich der Gehalt ihrer Catechine sehr stark unterscheiden. Das Gleiche gilt auch für den Geschmack, der ebenfalls enorm variieren kann. Alleine dadurch ergibt sich eine Vielfalt an Nuancen, die unglaublich viele verschiedene Geschmackserlebnisse ermöglichen. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Grünteesorten zu entdecken. Viele Menschen berichten über ihre positiven Erfahrungen mit grünem Tee bei der Vorbeugung und Bekämpfung von gesundheitlichen Problemen. Auch wenn es für viele dieser Wirkungen noch keine wissenschaftlichen Belege gibt, lohnt sich ein Versuch. Die empfohlene Dosis, um eine optimale antioxidantische Wirkung durch Catechine zu erzielen, sind 4 Tassen über den Tag verteilt. Dazu können verschiedene Sorten verwendet werden. Abends sollte aber keine Zubereitung getrunken werden, die stark koffeinhaltig ist. So wird nicht nur ein größeres Wirkungsspektrums erzielt, sondern auch eine umfangreiche Bandbreite an Geschmackserlebnissen.