Biotinmangel – Ursachen und Folgen

Das Vitamin Biotin wurde zu Beginn der 1930er Jahre entdeckt. Damals wurde schon bald seine förderliche Wirkung auf Haut und Haare entdeckt, weshalb es auch als Vitamin H bezeichnet wird. Das Vitamin ist wichtig für eine Vielzahl an Stoffwechseltätigkeiten. Biotin ist jedoch insbesondere für seine Wirkung auf Haare, Haut und Nägel bekannt, da es einen positiven Einfluss auf diese hat. Ein Biotinmangel kann außer Haarausfall und spröden Nägeln jedoch auch andere schlimme Folgen haben. Deshalb sollte auf eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin geachtet werden. Doch was genau ist Biotin eigentlich und was für verschiedene Funktionen hat es?

Ein Überblick zu Biotin

Biotin ist wichtig für eine Vielzahl an Stoffwechselprozessen und ist ein essenziell, also lebensnotweniges Vitamin. Allerdings kann der menschliche Körper dieses nicht selbst herstellen, was bedeutet, dass der Mensch es mit der Nahrung aufnehmen muss. Obwohl Biotin auch den Namen Vitamin H trägt, gehört es eigentlich zu den sogenannten B-Vitaminen. Der Ausdruck Vitamin H ist zwar veraltet, wird aber aus seiner förderlichen Wirkung für Haut und Haare abgeleitet. Die Haare benötigen Biotin, weil es Keratinproteine unterstützt. Diese Proteine sind für die Widerstandskraft des Haares wichtig.

Zusätzlich kann Biotin auch einen positiven Einfluss auf die Fingernägel haben. Das Vitamin hat eine fördernde Wirkung auf die Neubildung von Haarwurzeln und des Nagelbettes. Auch wenn die Nägel brüchig sind, kann das Vitamin helfen, Festigkeit, Dicke und Oberflächenstruktur zu verbessern.

Außerdem ist Biotin ein sogenannter Cofaktor. Cofaktoren sind ein Teil von Enzymen, welche essenziell für viele biochemische Reaktionen sind. Enzyme sind für einen normalen Stoffwechsel ungemein wichtig, da ohne sie viele Prozesse nur sehr langsam oder überhaupt nicht stattfinden würden. Ein Beispiel für ein Enzym, bei dem Biotin als Cofaktor mitwirkt, ist die Bereitstellung von Energie in Form von Zucker, was auch als Gluconeogenese bezeichnet wird. Bei der Gluconeogenese wird Zucker aus Eiweißen und Fetten gewonnen, was zu einem Ansteigen des Blutzuckerspiegels führt. Dadurch wird der Körper immer ausreichend mit Zucker versorgt.

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Biotin als Cofaktor ist besonders für den Stoffwechsel bei Fetten, Eiweißen, Kohlenhydraten und Cholesterin von Bedeutung. Dadurch sorgt es unter anderem für einen normalen Blutzuckerspiegel und kann auch bei der Vorbeugung von Diabetes in der Schwangerschaft beitragen. Weiterhin ist Biotin Bestandteil der DNA-Synthese und ist am Zellwachstum beteiligt.

Biotin kommt in vielen Nahrungsmitteln vor, allerdings nur in geringer Konzentration. Hier ist es meist an Eiweiße gebunden und der Körper kann es erst verwerten, wenn es von diesem gelöst wird. Diese Loslösung findet im Dünndarm statt und wird von dem Enzym Biotinidase durchgeführt. Bestimmte Bakterien im Dickdarm bilden ebenfalls Biotin. Dieses wird allerdings kaum vom Körper aufgenommen und trägt dadurch nicht zur Deckung der täglichen Dosis bei. Allerdings kann hierdurch erklärt werden, warum sich bei einer Stuhlprobe mehr Biotin im Stuhl befindet, als der Betroffene täglich aufnimmt.

Empfohlene Biotinzufuhr

Es gibt keine genauen Angaben, wie hoch die tägliche Biotinzufuhr tatsächlich sein sollte, da es hierzu keine Studien oder Experimente gibt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat jedoch Schätzwerte veröffentlicht, die auf der durschnittlichen, täglichen Zufuhr von Biotin beruhen. Außerdem ist unter der angegebenen Menge kein Biotinmangel aufgetreten, weshalb diese Zufuhr für passend eingeschätzt wurde.

Eine höhere Dosierung gilt als unbedenklich, da diese ohne gesundheitliche Nebenwirkungen zu sein scheinen. Auch Dosierungen von 200 Milligramm Biotin hatten keine Nebenwirkungen, sodass es für die Biotingabe keine Obergrenze gibt.

Säuglinge von bis zu einem Jahr sollten etwa 5 bis 10 Mikrogramm pro Tag zu sich nehmen. Ab einem Jahr bis zu 15 Jahren sollten die Kinder etwa 10 bis 35 Mikrogramm einnehmen, was mit dem Alter ansteigt. Ab etwa 15 Jahren erhöht sich der Bedarf nicht mehr und liegt bei 30 bis 60 Mikrogramm am Tag. Dieser Bedarf gilt auch für Schwangere und Stillende.

Ursachen für einen Biotinmangel

Bei einer ausgewogenen Ernährung kommt es nur selten zu einem Mangel an Biotin. Jedoch ist es für bestimmte Personengruppen wichtig, dass sie darauf achten, ausreichend Biotin zu sich zu nehmen. Diese Gruppen haben einen erhöhten Bedarf und können so leichter an einem Biotinmangel leiden.

Dazu gehören beispielsweise Säuglinge. Auch wenn Säuglinge generell nur einen geringen Bedarf an Biotin haben, kann es bei ihnen zu einem Mangel kommen, denn Muttermilch enthält nur wenig Biotin. Normale Kuhmilch enthält fast fünfmal so viel Biotin wie Muttermilch. Deshalb kann es bei Babys, die ohne zusätzliche Kost gestillt werden, sinnvoll sein, diese zusätzlich mit Biotin zu versorgen.

Auch bei Menschen mit einem Gendefekt können an Biotinmangel leiden. Wenn beispielsweise das Enzym Biotinidase nicht ausreichend vorhanden ist, kann das zu Mangelerscheinungen führen. In diesem Fall müssen die Betroffenen Biotidin als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, um ihren täglichen Bedarf zu decken.

Personen, die an einer Leberzirrhose oder einer Fettleber leiden, können infolge eines zu hohen Alkoholkonsums ebenfalls einen Biotinmangel entwickeln. Auch bei Rauchern kann es zu einem Mangel des Vitamins kommen, da sie durch den Konsum von Nikotin einen erhöhten Biotinbedarf aufweisen.

Patienten mit einem Kurzdarmsyndrom können ebenfalls einen Biotinmangel entwickeln, wenn sie auf intravenöse Ernährung angewiesen sind. Wenn die Infusionen kein zusätzliches Biotin enthalten, können sich innerhalb von Monaten oder Jahren Mangelerscheinungen entwickeln.

Ebenfalls einen Biotinmangel entwickeln, können Personen, die sehr viel rohes Hühnereiweiß verzehren. Das kann beispielsweise bei bestimmten Diäten zum Bodybuilding der Fall sein. Hier werden über 2 bis 6 rohe Eier täglich über mehrere Monate hinweg gegessen. Wenn dann zusätzlich noch zu wenig andere biotinhaltige Lebensmittel eingenommen werden, kann es zu einem Biotinmangel kommen. Denn im rohen Eiweiß ist das sogenannte Protein Avidin enthalten. Dieses besitzt die Fähigkeit, Biotin an sich zu binden. Der Körper kann das Biotin nicht von dem Protein lösen, da dieses nicht von den Verdauungsenzymen angegriffen wird. Dafür müsste das Ei vorher erhitzt werden, da durch die Hitze das Enzym unschädlich gemacht wird und der Körper das Biotin wieder nutzen kann.

Symptome von Biotinmangel

Ein Biotinmangel tritt erst nach längerer Zeit der Unterversorgung auf und kann sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern. Diese sind jedoch nicht sehr spezifisch und können auch bei verschiedenen anderen Krankheiten auftreten.

Der Mangel kann beispielsweise unterschiedliche Auswirkungen auf die Haut haben. So kann es zu eingerissenen Mundwinkeln, entzündlichen Reaktionen der Haut oder einem schuppigen, roten Hautauschlag kommen. Der Mangel kann außerdem zu einer Überempfindlichkeit der Haut führen. Zusätzlich können sich auch die Zunge entzünden oder die Muskeln schmerzen.

Da Biotin wichtig für Haar und Nägel ist, kann ein Mangel sich auch hierauf auswirken. So kann es zu Haarausfall kommen, der nicht nur das Kopfhaar, sondern auch die Wimpern und die Augenbrauen betreffen kann. Zusätzlich kann das Haar glanz- und kraftlos werden. Die Nägel können aufgrund des Vitaminmangels spröde und brüchig werden.

Auch sehr unspezifische Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit können auftreten.

Durch seinen Beitrag zum Stoffwechsel kann ein Biotinmangel auch zu hohen Cholesterinwerten (Cholesterinämie) führen oder Probleme mit dem Herzen verursachen. Ebenso kann es zu einem niedrigen Blutdruck (Hypotonie) und Blutarmut (Anämie) kommen.

Behandlung von Biotinmangel

Bei einem Biotinmangel kann es ratsam sein, einen Arzt aufzusuchen. Dieser wird mithilfe einer Blut- oder einer Urinuntersuchung feststellen, ob ein Mangel vorliegt. Ist dieser nachgewiesen, sollte der Betroffene darauf achten, biotinhaltige Lebensmittel zu sich zu nehmen. Als Alternative können auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, die frei erhältlich sind. Wenn der tägliche Bedarf wieder gedeckt ist, verschwinden die Symptome meist wieder sehr rasch. Wenn der Biotinmangel jedoch brüchige Nägel verursacht hat, kann die Besserung auch erst nach einigen Monaten eintreten. Dabei sollte jedoch weiterhin Biotin eingenommen werden, um den täglichen Bedarf zu decken, da es ansonsten wieder zu erneuten Mangelerscheinungen kommen kann.

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Möglichkeiten zur Einnahme von Biotin

Biotin ist in vielen verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Dazu gehören insbesondere tierische Produkte wie Leber, Niere und Eier. Auch Milch und Milchprodukte gehören zu den Lieferanten von Biotin, ebenso wie Haferflocken und Nüsse. Verschiedene Gemüsesorten wie Spinat, Pilze oder unterschiedliche Sorten von Hülsenfrüchten enthalten Biotin. Hierbei sollte aber darauf geachtet werden, dass diese nicht zu lange im Wasser liegen, da Biotin ein wasserlösliches Vitamin ist. Auch verschiedene Obstsorten enthalten Biotin, ebenso wie einige Fischarten.

Allerdings ist Biotin meist nur in einer sehr geringen Konzentration enthalten, sodass es bei einem Mangel sinnvoll sein kann, zusätzlich auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen. Da eine Überdosierung von Biotin keine negativen Folgen aufweist, kann es hierbei nicht zu Nebenwirkungen kommen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Biotin nicht über die Haut aufgenommen werden kann, obwohl es sich förderlich auf diese auswirkt. Da das Biotin über die Haut nicht aufgenommen werden kann, sind Cremes und Ähnliches eher nutzlos. Deshalb werden Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin meist in Form von Kapseln oder Tabletten verabreicht, da hier das Biotin in den Dünndarm gelangt und vom Enzym Biotinidase verarbeitet werden kann.