Algenöl als vegane Omega-3 Quelle

Dass Fischöl wegen der darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren einen hohen Gesundheitswert haben soll, wissen gut informierte Menschen. Die beiden wichtigen Omega-3-Fettsäuren, sind die Docosahexaensäure (DHA) und die Eicosapentaensäure (EPA). Ihre wichtigste Leistung ist es, durch ihre entzündungshemmende Wirkung die Herzgesundheit und die Gesundheit der Gefäße zu unterstützen. Neben Fischölkapseln werden auch Krillöl-Kapseln, vegane Leinölkapseln und in neuerer Zeit Algenöl-Kapseln als gesundheitsförderliche Quellen von Omega-3-Fettsäuren gehandelt.

Was ist Algenöl?

Die vegane Alternative zum Fischöl ist ein aus Algen gewonnenes Öl. Dieses ist besonders reich an Docosahexaensäure bzw. DHA. Im menschlichen Gehirn bestehen 97 Prozent der Fettsäuren aus DHA. Die meisten Menschen essen nicht genügend fetten Fisch, um sich ausreichend mit dieser wichtigen Fettsäure zu versorgen. Das kann sich aber durch Mikroalgen-Öl ändern. Dieses wird als Omega-3-Fettsäurequelle gelegentlich Lebensmitteln wie Säften, Milchprodukten, Speiseölen oder Fitness-Riegeln zugesetzt.

Fetten Kaltwasserfische, aus denen Fischöl-Kapseln hergestellt werden, erhalten ihre Omega-3-Fettsäuren aus Algen, die sie fressen. Dadurch enthalten die Fische hohe Konzentrationen von EPA und DHA. Der Umweg über den Fischverzehr ist also nicht notwendig – und für vegan lebende Menschen undenkbar. Für die Herstellung von Algenöl werden spezielle Aquakulturen angelegt.

Einer Studie zufolge, deren Ergebnisse 2018 im „Journal of the American Dietetic Association“ erschienen, sind die Effekte von Algenöl-Kapseln und Kapseln mit Lachsöl vergleichbar bzw. „bioäquivalent“. Dem folgte 2104 eine weitere Studie. Deren Ergebnis-Publikation in „Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ besagte, dass Mikroalgen-Öl eine effektive Quelle für DHA sei.

Warum ist Mikroalgen-Öl als vegane Omega-3-Quelle ideal?

Zunächst einmal ist der Umweg über das Öl von fetten Seefischen, die ihre Omega-3-Fettsäuren aus Algen beziehen, durch den Verzehr von Algenöl nicht mehr nötig. Hier wird die Ursprungsquelle genutzt. Diese unterliegt durch Aquakulturen keiner Umweltverschmutzung. Zudem kommt es nicht zur weiteren Überfischung von bereits gefährdeten Seefischbeständen.

Zudem enthalten die meisten pflanzlichen Quellen – etwa Nüsse, Leinsaat oder Avocados – zwar die wichtige Alphpalinolensäure (ALA). Sie enthalten aber nicht ausreichend DHA und EPA. Dem gegenüber sind Mikroalgen klar im Vorteil, weil diese reichlich DHA und EPA enthalten.

Warum ist die Mikroalge Schizochytrium ideal?

Besonders interessant für die Herstellung von Mikroalgen-Öl ist die Mikroalge Schizochytrium spirulinae. Diese Mikroalge kommt von Natur aus im Wasser küstennaher Regionen vor. Dort dient sie den Fischen als Phytoplankton. Schizochytrium spirulinae kann aber auch in speziellen Meeresfarmen bzw. Aquakulturen kultiviert werden. Dadurch sind die daraus hergestellten Produkte praktisch schadstofffrei.

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Wie wird Algenöl gewonnen?

Bislang ist die Kultivierung von Algen zum Zweck der Herstellung von Mikroalgen-Öl noch relativ aufwendig und kostspielig. Zur Verfügung stehen derzeit mechanische Herstellungsverfahren – zum Beispiel mittels Ultraschall-Extraktion oder Expressionspresse – und chemische Verfahren. Die enzymatische Methode ist ebenso wie die osmotische Herstellung von Mikroalgen-Öl noch teurer und aufwändiger. Vor allem aber haben alle genannten Verfahren gewisse Nachteile.

Wie ist der Herstellungsprozess für Algenöl?

Bisher wird das Mikroalgen-Öl vornehmlich mit einem Expeller oder einer Expressionspresse aus den Algen herausgepresst. Zuvor muss die Algenmasse gereinigt werden. Leicht oxidierbare Begleitstoffe wie Phospholipide und unerwünschte Fettsäuren, die die Haltbarkeit der Kapselinhalte mindern würden, werden entfernt.

Alternativ wird das Mikroalgen-Öl mittels Ultraschallextraktion gewonnen. Diese mechanischen Verfahren können nur mit getrockneten Algen genutzt werden. Um an genügend Algenöl zu kommen, müssen die eingesetzten Maschinen unter hohem Druck arbeiten. Damit ist diese Herstellung relativ energieintensiv – und das macht sie teuer.

Die chemische Extraktion von Mikroalgen-Öl erfolgte oft unter Einsatz von Hexan oder anderen Lösungsmitteln. Solche Extraktionsverfahren sind allerdings aus gesundheitlicher Sicht nicht risikolos, denn es können fettlösliche Rückstände der verwendeten Lösungsmittel im Algenöl verbleiben. Chemische Extraktionsmethoden wie die Fluidextraktion oder die Herauslösung von Omega-3-Fettsäuren durch Hexan sind daher nicht mehr in Verwendung.

Die enzymatische Extraktion ist zwar ein natürlicher Gewinnungsprozess, aber dieser ist sehr kostenintensiv. Der sogenannte osmotische Schock hat sich ebenfalls nicht für die Produktion von Mikroalgen-Öl als umsetzbar erwiesen, obwohl diese Methode tatsächlich Zellbestandteile aus Mikroalgen freisetzen kann. Die Forscher experimentieren mit solchen Extraktionsmethoden, um zukünftig bessere Extraktionsergebnisse zu erhalten.

Vorteile gegenüber Fischöl?

Wissenschaftler sehen im Mikroalgen-Öl tatsächlich verschiedene Vorteile gegenüber dem Fischöl. Im Einzelnen werden folgende Vorteile benannt:

  • Vorteile bei der embryonalen Entwicklung
  • Vorteile für die Augengesundheit
  • Vorteile für die kardiovaskuläre Gesundheit
  • Vorteile für die kognitiven Funktionsfähigkeit
  • Stärkung der Gedächtnisleistung

Werdende Mütter sollten auf eine ausreichende Versorgung mit der Omega-Fettsäure DHA achten, weil diese für die embryonale Gehirnentwicklung essenziell ist. Der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren steigt daher während der Schwangerschaft an. Vor allem im zweiten Teil der Schwangerschaft wird eine vermehrte Zufuhr von DHA benötigt. Laut einer ärztlichen Empfehlung sollten werdende Mütter als Minimum 200 Milligramm DHA täglich mit der Nahrung oder über Algenkapseln aufnehmen.

Schon in der fötalen Phase, und erst recht nach der Geburt, reichern sich in Augen und Gehirn von Neugeborenen Omega-3-Fettsäuren an. Auch die Netzhaut des Menschen ist damit reichlich versorgt. Noch ist nicht bekannt, in welcher Weise DHA auf die Augengesundheit wirkt. Vermutlich verbessert DHA die Zellfunktionen durch eine Beeinflussung enzymatischer Prozesse. Bekannt ist, dass die typischen Symptome einer altersbedingten Makuladegeneration mit Omega-3-Fettsäurekapseln verbessert werden können. Diese senken den gefährlichen Augeninnendruck.

Das menschliche Gehirn besteht weitgehend aus Fettzellen. Diese sollten vorzugsweise einen hohen Gehalt an DHA haben. Diese Omega-3-Fettsäure kann nämlich die kommunikativen Prozesse auf der Zellebene fördern und eine Entzündungsneigung in den Zellverbänden verhindern. Die Gehirnfunktionen, die Gedächtnisleistungen und die Lernfähigkeit von Erwachsenen – ebenso wie die Gehirnentwicklung von Embryos und Säuglingen – basieren auf einer verlässlichen Zufuhr von DHA.

Eine Veröffentlichung von Ergebnissen aus Tierstudien im „European Journal of Neuroscience“ legt außerdem nahe, dass Omega-3-Fettsäuren auch bei angst- und depressionsbedingten Verhaltensstörungen eine wichtige Rolle spielen. Zudem sollen Studien zufolge Demenz- und Alzheimererkrankungen durch eine erhöhte Zufuhr von Mikroalgen-Öl oder anderen Omega-3-Ölen reduziert auftreten.

Vorteilhaft ist Mikroalgen-Öl auch, weil die Algen aus vom Meer abgetrennten Aquakulturen nicht denselben Umweltbelastungen ausgesetzt sind, wie die Fischbestände in den Weltmeeren.

Insbesondere die fettlöslichen Toxine sind für Seefische wie Lachs oder Thunfisch eine Gefahr. Aus solchen Fischen wird Omega-3-Fischöl hergestellt. Sie enthalten heutzutage neben Quecksilber, Dioxin oder polychlorierten Biphenylen (PCBs) auch Mikroplastik.

Wieviel EPA und DHA enthält Algenöl ungefähr?

Naturgemäß ist der Gehalt an EPA und DHA abhängig von dem Algenöl-Präparat, das gekauft wird. Durchschnittlich enthalten 100 Algenöl-Kapseln unterschiedliche Mengen an DHA und EPA. So können in den Kapseln mal 225, mal 500 Milligramm an Omega-3-Fettsäuren enthalten sein.

In einem handelsüblichen Präparat finden sich beispielsweise 250 Milligramm DHA sowie 150 Milligramm EPA je Kapsel. Ein weiterer Anbieter hat in seinen Algenöl-Kapseln je 450 Milligramm Omega-3 Fettsäuren, aufgeteilt in mindestens 250 Milligramm DHA und 125 Milligramm EPA. Ein anderes Produkt enthält 600 Milligramm DHA und 300 Milligramm EPA in der Tagesdosis. Eine direkte Vergleichbarkeit wird für medizinische Laien damit erschwert.

Andere Präparate benennen 400 Milligramm DHA, weisen aber keinen Gehalt an EPA aus. Die Verbraucher können nur schwer das beste Präparat ermitteln. Die meisten Menschen wissen nicht, dass ein Präparat nur mit DHA gleichermaßen wertvoll ist, wenn die Dosis stimmt. Der menschliche Organismus ist in der Lage, je nach Bedarf einen Teil des DHAs in EPA umzuwandeln. Kapselpräparate mit Mikroalgen-Öl, die nur einen hohen Anteil an DHA ausweisen, sind genauso gut wie andere Präparate, die einen Gehalt an beiden Fettsäuren ausweisen.

Welche gesundheitsbezogenen Aussagen darf man mit EPA und DHA machen?

Die Angelegenheit der erlaubten Health Claims ist schwierig, weil komplex. Immer wieder unterlaufen die Hersteller die erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen, indem sie sie zu nicht erlaubten Aussagen hin modifizieren. Der gesundheitliche Nutzen muss nachgewiesen sein und von einer bestimmten Dosis abhängig gemacht werden. Nur dann ist eine Aussage wie „Omega-3-Fettsäuren tragen ab einer Tagesdosis von 250 Milligramm EPA und DHA zur normalen Herzfunktion bei.“ gestattet.

Über die Komplexität von erlaubten und nicht gestatteten Formulierungen bei gesundheitsbezogenen Aussagen über EPA und DHA informiert dieser juristische Artikel detailliert.

Wieviel Omega 3 braucht man ca. pro Tag?

Im Allgemeinen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass bei einem durchschnittlich sportlichen Leben etwa 300 Milligramm EPA und DHA als Mindest-Tagesdosis eingenommen werden sollten. Der Tagesbedarf an 300 Milligramm Omega-3-Fettsäuren soll Ernährungswissenschaftlern zufolge mit einer oder zwei wöchentlichen Fischportionen abgedeckt sein. Demnach muss das Äquivalent dieser Tagesdosis auch in veganer bzw. pflanzlicher Dosis durch Mikroalgen-Öl zugeführt werden.

Über die korrekte und sinnvolle Dosis von DHA und EPPA je Tag sind sich die Forscher noch nicht im Klaren. Klar ist aber bereits: Eine zu geringe Dosis ist wenig nützlich, eine zu hohe ist nachweislich gesundheitsschädlich. Das vereinfacht die Sache nicht gerade. Die Hersteller von Algenöl-Kapseln können sich mangels Einigkeit in der Frage bei den Forscher beliebige Dosen Omega-3-Fettsäuren aussuchen und diese als sinnvoll bezeichnen.

Die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse deuten an, dass ein bis zwei Gramm Mikroalgen-Öl je Tag eine gesundheitlich sinnvolle Dosis sein könnten. Diese Dosis klingt im Vergleich zum Fischöl niedrig, aber der Gehalt von Omega-3-Fettsäuren ist in Algen höher konzentriert. Viel wichtiger als die aufgenommene Menge Fettsäuren scheint aber das Verhältnis der Fettsäuren zueinander zu sein.

Außerdem ist anzumerken, dass der Tagesbedarf an solchen Substanzen in manchen Lebensphasen – zum Beispiel während einer Schwangerschaft oder bei Demenz – erhöht sein kann. Gleiches gilt für die Entwicklung der Gehirne bei Säuglingen und Kleinkindern. Hier müssen also spezifische, altersgerechte Dosen gefunden werden.

Besonders wichtig ist die ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren wie DHA und EPA aus pflanzlichen Quellen für Vegetarier und Veganer. Da vegan oder vegetarisch lebende Menschen keinen Fisch essen, müssen sie die wichtigen Fettsäuren aus Leinsaat, Nüssen oder Avocados aufnehmen. Dort sind sie aber in zu geringen Mengen enthalten. Damit gerät die tägliche Dosis DHA und EPA aber in Gefahr. Der Geschmack von Leinöl sagt vielen Menschen nicht zu. Eine Zusatzversorgung über Algenöl in Kapselform ist also nicht nur sinnvoll, sondern für Veganer und Vegetarier auch lebensnotwendig.

Mangelerscheinungen von Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) oder Docosahexaensäure (DHA)entstehen durch einen Überschuss an Omega-6-Fettsäuren in verarbeiteten oder veganen Nahrungsmitteln. Mangelerscheinungen zeigen sich in Entwicklungsstörungen bei Kindern, Demenz-Erscheinungen und schlechten Gedächtnisleistungen bei Erwachsenen. Energiemangel, Blutdruck- und Blutzuckerprobleme, schlechte Cholesterinwerte oder ein erhöhtes Risiko, an Herzinfarkten oder Schlaganfällen zu leiden, addieren sich dazu.

Seit die Herstellung von Mikroalgen-Öl in größerem Maßstab und kostengünstiger in Aquakulturen erfolgen kann, sind auch vermehrt entsprechende Nahrungsergänzungs-Präparate im Handel zu finden. Den gesundheitlichen Nutzen von Fischöl- oder Leinöl-Kapseln mit einem standardisierten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren bezweifelt allerdings die Verbraucherzentrale.

Demnach bräuchten gesunde Menschen überhaupt keine Fischöl-Kapseln. Die meisten Produkte seien ihrer Sicht nach zu niedrig dosiert. Die Verbraucher sollten nach Ansicht der Verbraucherzentrale lieber fetten Fisch essen, sich gesund und vitalstoffreich ernähren und ausreichend bewegen, um der Herzgesundheit etwas Gutes zu tun.